Seit Johanna Klug 20 Jahre alt ist, geht sie jeden Freitagnachmittag auf die 'Palli' - die Palliativstation und verbringt Zeit mit Menschen, die unheilbar krank sind. Sie liebt diese ehrenamtliche Arbeit und hat sich zur Sterbe- und Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Und Johanna sagt: Wir sollten uns mehr mit unserem eigenen Tod beschäftigen. Denn wenn wir ein bisschen mehr Endlichkeit zulassen, kann das zu mehr Leben führen.

Wenn Johanna Klug am Freitagnachmittag auf die 'Palli' geht, hat sie meistens irgendwas dabei: Schokoküsse, auf die sie Gesichter malt, oder einen Strauß Blumen. Kleine Dinge, über die sich die Sterbenden, die die 27-Jährige besucht, freuen.

Neben Blumen und Schokoküssen bringt Johanna aber vor allem eins mit: Zeit. Um zuzuhören, sich auszutauschen oder einfach nur, um da zu sein.

"Da war eine ältere Dame, die hat mich gefragt: 'Was machst du als so junges Mädel auf der Palli'.“
Johanna Klug über ihre Besuche auf der Palliativstation

Seit sieben Jahren besucht Johanna Menschen, die keine Chance mehr auf Heilung haben. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren. "Für mich war Sterbebegleitung nie angstbesetzt", sagt Johanna, die sich zur Sterbe- und Trauerbegleiterin hat ausbilden lassen. "Sterbebegleitung ist eigentlich auch eine Lebensbegleitung", sagt sie. "Für mich gehört das Ende des Lebens einfach dazu."

Die Trauer nimmt die Sterbebegleiterin ganz bewusst an

Manchmal trifft Johanna einen Menschen nur ein einziges Mal, andere begleitet sie über einen längeren Zeitraum. In den Begegnungen baut sie Beziehungen auf, lernt Menschen kennen, die schon bald nicht mehr da sind. Die Trauer darüber nimmt Johanna ganz bewusst an. "Es ist doch total schön, dass wir all diese Gefühle so wahrnehmen können", sagt sie.

"Ich glaube, viele Menschen haben gar keinen Zugang zu diesen Gefühlen und auch gar keine Akzeptanz dazu, dass es okay ist zu trauern."
Johanna Klug, Sterbebegleiterin

Johanna sagt: Wir sollten uns mehr mit unserer eigentlichen Endlichkeit, unserem eigenen Tod auseinandersetzen. Mal die eigene Beerdigung planen. Oder uns überlegen, was nach dem Tod von uns bleiben soll. "Ich glaube, das ist mehr Achtsamkeitsratgeber als alles andere", findet Johanna.

Sie hat die Sterbebegleitung näher ans Leben gebracht - weil das eine nicht ohne das andere funktioniert. "Ohne den Tod gäbe es kein Leben".

"Kann das nicht zu einem Mehr an Leben führen, wenn wir ein bisschen mehr Endlichkeit in unser Leben lassen?"
Johanna Klug, Sterbebegleiterin

Über ihre Arbeit als Sterbe- und Trauerbegleiterin hat Johanna ein Buch geschrieben. "Mehr vom Leben - wie mich die Begleitung Sterbender verändert". Warum es wichtig ist, bis zuletzt mit Sterbenden zu reden und was Johanna dann sagt, darüber hat sie mit Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Rahel Klein im "Deep Talk" gesprochen.