Mittagessen mit einem Fremden? Das macht Fiona Starke regelmäßig – und zwar während ihrer Arbeitszeit. So vernetzt sie sich mit Menschen aus ihrem Berufsfeld und stellt wichtige Kontakte her.

Letztens hat sich Fiona Starke mit einem Bauingenieur zum Lunch getroffen, den sie vorher nicht gekannt hat. Die Flughafenmitarbeiterin kann ihre Kolleginnen und Kollegen nicht alle kennen – es sind 10.000. Trotzdem bemüht sich der Betrieb, seine Fachkräfte etwa während der Mittagspause miteinander zu vernetzen. Das nennt sich Mittagsroulette.

Mittagsroulette: Netzwerken beim Lunch

Das Prinzip ist einfach: Die Mitarbeitenden müssen sich im internen System zum Programm anmelden und angeben, in welcher Kantine oder in welchem Restaurant sie auf dem Flughafengelände essen wollen. Man kann auch eine bevorzugte Berufsgruppe oder Abteilung angeben. Das System vermittelt die Person dann automatisch an einen Mittagessenspartner und stellt den Kontakt her.

Fiona mag es besonders, sich mit Menschen zum Mittagessen zu treffen, die direkt im Luftverkehr arbeiten: "Davon bin ich manchmal ein bisschen weit weg." Sie trifft auch Leute in den verschiedensten Arbeitspositionen – von Praktikantinnen und Praktikanten bis zur Führungskraft.

"Ich finde es ganz spannend, wenn ich mich mit Kolleginnen und Kollegen treffe, die Berufe ausüben, mit denen ich nichts am Hut habe."
Fiona Starke, Flughafenmitarbeiterin über das Mittagsroulette in ihrem Betrieb

Fiona weiß auch, dass das Mittagsroulette ein strategischer Schritt ihres Arbeitgebers ist, damit die Mitarbeitenden sich stärker vernetzen. So war das auch bei ihrer Begegnung mit dem Bauingenieur: In ihrem Arbeitsalltag hätte Fiona, die eigentlich in der Nachhaltigkeitsabteilung tätig ist, den Kollegen aus der Technik nie kennengelernt.

Oft hat sie vor dem Treffen keine wirkliche Vorstellung darüber, was ihr Gegenüber so macht. "Wenn ich aber jetzt irgendetwas aus dem Bereich brauche, wo ich sonst niemanden kenne, aber ein Mittagsroulette mit einer Person hatte, dann ist es natürlich immer der erste Griff zum Hörer", sagt Fiona.

Mischung aus beruflichem und privatem

Es muss aber bei diesen Blind Dates nicht immer um Berufliches gehen, merkt Fiona an. "Ich hatte es auch schon mal so, dass man das ganz schnell abgehakt hat – einfach nur‚ aus welchem Bereich kommst du? Ah, cool‘ – und dann auch schnell über andere Dinge redet." Deshalb empfindet sie die Treffen auch eigentlich nie als Stresssituation, während der sie unbedingt ihr Berufsnetzwerk ausbauen muss, und kommt immer erholt aus der Mittagspause zurück, sagt Fiona.

"Man redet natürlich auch über andere Dinge und nicht nur übers Business."
Fiona Starke

Wenn ihr das Mittagessen besonders gefallen hat, trifft sie die jeweilige Person auch gerne wieder, erzählt Fiona: "Mit einem coolen Mittagsroulette treffe ich mich auch häufiger." Trotzdem verbringt sie ihre Mittagspause auch gerne mal alleine oder mit Fachkräften aus ihrer Abteilung. "Das ist ja auch mal ganz angenehm, wenn man etwas mehr abschalten möchte."