Wenn in den Frühlings- und Sommermonaten das Mittelmeer ruhiger wir, steigt die Zahl der Menschen, die auf diesem Weg versuchen, von Nordafrika aus Europa zu erreichen. Das ist auch in diesem Jahr so – die Corona-Pandemie ändert daran nichts. Aber es zeichnet sich eine neue Route ab.

Im Vergleich zum Vorjahr habe sich – laut italienischem Innenministerium – die Zahl der Ankünfte von Geflüchteten in Italien verdreifacht. Von ihnen kommen mehr Menschen aus Tunesien erst auf die Insel Lampedusa und dann nach Sizilien, sagt Jörg Seisselberg, ARD-Korrespondent in Rom. Die italienische Staatsanwaltschaft berichtete, dass an der tunesischen Küste neue kriminelle Gruppen den Flüchtenden bei der Überquerung helfen. Darunter seien vor allem ehemalige Fischer, die sich sehr gut auf dem Meer auskennen.

Fischerboote sind auf dem Meer schwer zu erkennen

Die Menschen, die aus Tunesien nach Italien übersetzen, kommen beispielsweise aus Libyen, wo sich der Bürgerkrieg zuspitzt, aber es sind auch Tunesier. Die italienische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich darunter auch bereits abgeschobene Menschen befinden, deren Asylantrag in Italien abgelehnt wurde.

"Der zuständige Staatsanwalt sagte mir gestern im Gespräch, dass 20 bis 30 Prozent der Tunesier, die auf den Booten sind, Vorstrafen haben – wegen Drogen oder Eigentumsdelikten."
Jörg Seisselberg, Italienkorrespondent in Rom

Die Fischerboote seien auf dem Mittelmeer schwer zu erkennen und dadurch, dass nun ehemalige Fischer involviert sind, würden die Boote oft an abgelegenen Stränden landen, nicht in offiziellen Häfen. Die Bootspassagiere könnten auf diese Weise also relativ unbemerkt einreisen – ohne dass Personalien aufgenommen werden.

"Es gibt eine sehr hohe Quote bei diesen Fischerbooten, die durchkommen und es schaffen, die Menschen an die sizilianischen oder italienischen Strände zu bringen."
Jörg Seisselberg, Italienkorrespondent in Rom