In Europa fahren rund 440 Tonnen Gold herum. Wird das Auto verschrottet, landet das Gold mit in der Presse. 2015 haben wir so 20 Tonnen Gold verschrottet.  

Diese Zahlen haben schwedische Forscher des EU-Projektes Prosum ausgerechnet. Kristine Sperlich von der TU Berlin war ebenfalls an dem Forschungsprojekt beteiligt. Sie forscht im Fachgebiet Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie und hat mit uns über das Gold in unseren Autos und seine Verschrottung gesprochen. 

Wo die Schätze stecken

Das Gold in unseren Autos sei in den Steuergeräten zu finden, sagt die Recyclingtechnologin. Zu den Steuergeräten gehörten der Invertor, die Motor- und Getriebesteuerung, die Start-Stoppautomatik und die vielen kleinen Motoren, die ein Auto heute besitzt: Anlasser, Lichtmaschine, Scheibenwischermotor. Gold steckt außerdem auch in Sensoren wie zum Beispiel den Sauerstoffsenoren. 

Mehr Elektronik gleich mehr Gold 

Die Forscher der Prosum-Studie haben gezeigt, dass in aktuelleren Fahrzeugmodellen von den Herstellern deutlich mehr Elektronik verbaut wird, als in älteren Modellen, sagt Kristine Sperlich. Und gerade die Anzahl der elektronischen Steuergeräte, die viel Gold enthielten, hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: In einem Golf 1 beispielsweise sei nur ein einziges Steuergerät verbaut - der Golf 7 dagegen verfüge schon über etwa 60 Stück. 

Der Golf 7 (Mitte) und die vorangegangenen sechs Generationen des VW Golf als Modelautos im Format 1:87, aufgenommen am 21.03.2014 in Hannover (Niedersachsen). Foto: Christoph Schmidt/dpa (zu dpa: "Von der Hausfrau bis zum Vorstand» - Der VW-Golf wird 40" vom 21.03.2014)
© dpa
VW Golf 1 (ganz links) und aktueller VW Golf 7 (Mitte)

Auch die zunehmende Größe neuer Autos spiele eine Rolle, weil damit der Bedarf an Gold zunehme, sagt die Wissenschaftlerin. Für ein größeres Auto werde beispielsweise ein größere Katalysator benötigt und abhängig von der Größe sei eben auch die Menge des darin enthaltenen Edelmetalls - hier Platin - größer.

Ein bis zwei Gramm Gold pro Auto

Die schwedischen Forscher haben errechnet, dass sich in jedem Auto ein bis zwei Gramm Gold befinden. Diese Goldmenge entspricht etwa einem Viertel eines Traurings. Der wiegt im Schnitt sechs bis acht Gramm.  Die Goldmenge von fünf bis sechs Fahrzeugen würde damit also ausreichen, um einen Ring herzustellen. Insgesamt fahren so 440 Tonnen Gold auf Europas Straßen.

"Im Jahr 2015 enthielten die in Europa verschrotteten Autos ungefähr 20 Tonnen Gold."
Kristine Sperlich, Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie TU Berlin

Verbindlichen Recyclingkonzepte für die in den Autos enthaltenen Steuergeräte und damit die Wertstoffe gäbe es auf Schrottplätzen bisher nicht. Im besten Fall - so die Forscherin - würden die entsprechenden Komponenten auf den Schrottplätzen manuell demontiert, um im Anschluss entweder entsorgt zu werden oder aber in ein kontrolliertes Recycling zu gehen. 

Eine Untersuchung des Umweltbundesamtes habe jedoch gezeigt, dass tatsächlich so nicht vorgegangen werde. Vielmehr blieben die Bauteile in den Autos und würden zusammen mit der Karosserie geschreddert. Im daran anschließende Schritt verschwinde das Gold zusammen mit dem Rest des Autos in der so genannten thermischen Verwertung und sei damit verloren. 

Verbindlichen Recyclingkonzepte für die in den Autos enthaltenen Steuergeräte und damit die Wertstoffe gäbe es auf Schrottplätzen bisher nicht. Im besten Fall - so die Forscherin - würden die entsprechenden Komponenten auf den Schrottplätzen manuell demontiert, um im Anschluss entweder entsorgt zu werden oder aber in ein kontrolliertes Recycling zu gehen. 

Eine Untersuchung des Umweltbundesamtes habe jedoch gezeigt, dass tatsächlich so nicht vorgegangen werde. Vielmehr blieben die Bauteile in den Autos und würden zusammen mit der Karosserie geschreddert. Im daran anschließende Schritt verschwinde das Gold zusammen mit dem Rest des Autos in der so genannten thermischen Verwertung und sei damit verloren. 

Schrottberg
Das Gold bleibt im Auto und kommt in die Presse

Zu den Pflichten von Schrottplatzbetreibern gehöre schon jetzt auch die Schadstoffentsorgung sowie ein vorschriftsmäßiger Umgang mit bestimmten Teilen und Stoffen: Öl muss abgelassen werden, die Flüssigkeit der Klimaanlage ebenfalls. Auch der Ausbau von Katalysatoren gehört ebenfalls inzwischen zur Demontage dazu. Nicht vorgeschrieben ist jedoch der Ausbau aller Teile, die wertvolle Rohstoffe enthalten. Und dass in diesen Teilen für die Demontagebetriebe gewinnbringende Wertstoffe enthalten seien, wüssten die Betreiber selbst wohl nicht immer, vermutet Sperlich. 

Keine Recyclingvorgaben für das ganze Auto 

Europäische Recyclingvorgaben gibt es es trotz der großen Werte, die verloren gehen, bisher nicht. In Deutschland wird aber ein politisches Programm - das Deutsche Ressourcen-Effizienzprogramm - verfolgt. Dazu gehöre der vollständige Ausbau der Elektronik auf den Schrottplätzen. Wünschenswert sei, so Sperling, dass die Bundesregierung hier die rechtlichen Grundlage schaffe und sich zudem auch auf EU-Ebene dafür einsetzte.