Viel grün in der Stadt - für viele von uns bedeutet das Lebensqualität. In Berlin gibt es deshalb April Stadtnatur-Ranger- und Rangerinnen, die dafür sorgen, dass diese Grünflächen auch intakt bleiben.

Wenn Natalie Bunke und Bennet Buhrke auf einer Gebietsbegehung sind, dann tragen sie einen naturfarbenen Einheitslook und einen Rucksack mit Taschenlampe, Wildtierkamera und Klemmbrett auf dem Rücken. Bennet baumelt außerdem ein Fernglas um den Hals. Natalie und Bennet sind zwei der 20 Stadtnatur-Ranger Berlins. Ihre Aufgabe: Auf der einen Seite die Natur im Auge zu behalten, auf der anderen Seite aber auch die Bürger über das richtige Verhalten in der Natur aufzuklären.

Ganz neu ist das Konzept nicht. In Städten wie New York oder Los Angeles gibt es schon seit längerem Urban Park Ranger. In Hamburg existiert ein ähnliches Konzept für die Naturschutzgebiete. Das Berliner Modellprojekt der Stiftung Naturschutz könnte nun aber Vorbild für viele andere deutsche Städte werden.

Beobachten und Daten Sammeln

Heute sind Natalie und Bennet im Dreipfuhlpark unterwegs, ein schmaler, langgezogener Park im Bezirk Berlin Steglitz-Zehlendorf. Sein Herzstück ist ein Teich, der von meterhohem Schilf umgeben ist. Aufmerksam laufen sie am Ufer entlang.

Zwei Stadtnatur-Ranger am Ufer des Dreipfuhlpark-Teichs
© Magdalena Bienert
Bennet Buhrke und Natalie Bunke am Teich des Dreipfuhlparks

Der Park ist für die Stadtnatur-Ranger besonders interessant, da man hier eine große Vielfalt an standortgerechten und exotischen Pflanzen beobachten kann, erzählt Bennet. Viele quakende Frösche sind zu hören – ein Zeichen, dass sie sich in diesem Gewässer sehr wohl fühlen.

"Der Dreipfuhlpark ist spannend, weil er sehr naturnah ist und eine große Vielfalt an standortgerechten und exotischen Pflanzen hat. Und man hört es schon, wenn Frösche quaken, fühlen die sich hier wohl."
Bennet Buhrke, einer der 20 Stadtnatur-Ranger Berlins

Die Ranger entdecken auf ihren Rundgängen manchmal auch invasive Arten, die ein gesundheitliches Problem für die Besucher darstellen können. So beispielsweise der Riesenbärenklau. Die Pflanze wurde in vielen Parks eingepflanzt, da sie sehr groß wird und schöne Blüten hat. Für Besucherinnen kann jedoch bereits eine einmalige Berührung zu Hautreizungen führen. Die Ranger kümmern sich also nicht nur um das Wohl der Natur, sondern auch um das der Besucher in der Natur.

Insekten- statt Fußballwiese

Ihre Beobachtungen der Rundgänge vermerken Natalie und Bennet auf ihren Klemmbrettern. Bald sollen sie dafür auch Tablets zur Verfügung haben, auf denen sie ihre Daten gleich online eintragen können.

Sie berichten dann darüber, welche Tiere wo leben, welche Arten besser vor ignoranten Besuchern geschützt werden müssen oder welche Anlagen sich als Insektenfreundliches Gebiet eignen. Im Dreipfuhlpark haben sie beispielsweise im Frühjahr eine Fußballwiese sperren lassen, jetzt ist dort eine bunt blühende und summende Blumenfläche.

Zu lange vernachlässigt

Natalie Bunke ist Landschaftsplanerin und glücklich über ihre neue Festanstellung. Die 20 Vollzeitstellen werden von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz finanziert. Bald soll es ein Team für jeden Bezirk geben. Das ist auch gut so, sagt Natalie Bunke, denn lange wurde der wertvolle Tier- und Pflanzenbestand der Berliner Schutzgebiete vernachlässigt und maximal von Ehrenamtlichen überprüft.

"Die Berliner Schutzgebiete haben einen wertvollen Tier- und Pflanzenbestand, aber es gab höchstens Ehrenamtliche, die mal gesagt haben: 'Da fehlt ein Zaun', 'Da grillen Leute'."
Natalie Bunke, Stadtnatur-Rangerin der Stadt Berlin

2018 dachte die Stadt bereits zum ersten Mal darüber nach, wie man ein Modellprojekt wie das der Stadtnatur-Ranger umsetzen könnte. Seit April 2020 läuft nun das Projekt. So will man die "biologischen Schätze" besser schützen und auch den Menschen bewusst machen, wie wertvoll diese Schätze sind, sagt Natalie Bunke weiter. Die Aufgabe der Ranger besteht allerdings nicht nur darin, Daten zu erheben und naturschutzfachliche Konzepte zu entwickeln, sondern auch umweltpädagogische Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.

Medium zwischen Mensch und Natur

Bennet sieht vor allem in der Kommunikation mit den Menschen einen großen Mehrwert des Modellprojekts.

"Ein großer Mehrwert ist eben die Kommunikation. Wir sind das Auge draußen, da mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ist ein großer Wert unserer Arbeit."
Bennet Buhrke über die Kommunikation zwischen den Menschen und der Natur

Natalie erzählt beispielsweise vom Berliner Bezirk Lichtenberg, in dessen offenen Landschaften und Hecken viele Leute ihre Hunde frei laufen lassen. Die Ranger machen dann die Hundebesitzer darauf aufmerksam, dass die Hunde mögliche Rehe und Hasen stressen würden.

Modellprojekt mit Vorbildcharakter

Bis 2021 soll das Modellprojekt der Berliner Stadtnatur-Ranger noch laufen. Die Mischung aus Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit findet Natalie Bunke einen guten Ansatz. Er könnte Vorbild sein für andere Städte. Sie hoffe, dass ihre Erfahrungen am Ende des Projekts erfolgreich sind und sie diese dann anderen Städten zur Verfügung stellen können.