Ungewöhnliche Gesichter gibt es immer wieder auf dem Laufsteg. Manche sind aber so außergewöhnlich, dass sie polarisieren. Das schafft Aufmerksamkeit - für die Models und die Labels.

Über Harnaam Kaur haben wir hier berichtet - die Engländerin, die stolz und selbstbewusst ihren dunklen Vollbart trägt. Sie ist damit nicht nur ein Instagram-Star, sondern modelt auch. Aber sie ist bei weitem nicht das einzige Model, das nicht dem gängigen Look entspricht.

Außenseiter auf dem Catwalk

Winnie Harlow beispielsweise ist Kanadierin, wurde durch die Model-Casting-Show America’s Next Topmodel bekannt und arbeitet mittlerweile erfolgreich als Model. Eigentlich ist sie dunkelhäutig, hat aber einige pigmentfreie Stellen auf der Haut, die kommen von der Hautkrankheit Vitiligo.

Ein sehr bekanntes deutsches Handicap-Model ist Mario Galla. Er kam mit einem verkürzten Oberschenkel zur Welt und trägt eine Beinprothese, auch auf dem Laufsteg.

Da wäre noch die 19-jährige Reshma Bano Qureshi: Sie wurde Opfer eines Säure-Angriffs, hat aber auf der diesjährigen New York Fashion Week eine Show eröffnet. Sie geht in die Öffentlichkeit, um die Aufmerksamkeit für Säure-Opfer zu erhöhen.

"Was man nicht vergessen darf: Die meisten dieser Models sehen - abgesehen von dem Makel, den sie haben - total gut aus. Und: Es ist immer noch die Ausnahme und nicht die Regel."
Anke van de Weyer, DRadio Wissen

Wirklich außergewöhnlich und erfolgreich im High-Fashion ist Shaun Ross. Er gilt als das erste professionelle Albino-Model. Shaun Ross ist Afro-Amerikaner, hat aber helle Haut und rotblonde Haare. Er hat unter anderem für Alexander McQueen und Givenchy gemodelt. Mit dem Projekt #InMySkin will er andere Menschen dazu ermutigen, sich in ihrer Haut wohlzufühlen.

Ganz klar - vor 20 Jahren wären solche Models auf den Laufstegen undenkbar gewesen. Es verändert sich also was im Model-Business. Models, die anders sind, haben heute eine Chance.

Andererseits: Natürlich gewinnen Labels, die solche Models buchen, auch eine gewisse Aufmerksamkeit. Man spricht über ihre Show. Die Publicity nutzt aber auch den Models und ihrer Sache. Und sie bringt uns - wenn auch nur punktuell - dazu, über die gängige Vorstellung von Schönheit nachzudenken.