Die Astrophysik erklärt uns die unendlichen Weiten des Raums. Klar, wir wissen noch nicht alles, aber doch das Grundlegende und Wesentliche, sollte man denken... – doch weit gefehlt!

Um es kurz zu machen: Wir haben keine Ahnung! Den Löwenanteil unseres Universums verstehen wir kein bisschen. Klar, wir wissen recht gut, wie die Dinge, die wir in unserer Umgebung sehen, funktionieren. Wenn wir aber den Blick auf das große Ganze, das heißt ins Universum richten, dann taugen unsere Theorien plötzlich nicht mehr viel. Immerhin wissen wir mittlerweile, wie wenig wir eigentlich wissen.

"Wir sind in der unglücklichen, etwas peinlichen Situation, dass wir von 95 Prozent des Universums nicht verstehen, was es ist."
Jochen Liske, Astrophysiker

Noch vor gut einhundert Jahren glaubten die Astronomen, das Universum bestehe allein aus der Milchstraße. Dann fanden sie heraus, dass es weiter geht, aber glaubten, das Universum sei statisch. Wieder falsch: Das Universum dehnt sich aus, und schlimmer noch: Die Ausdehnung beschleunigt sich, und das wiederspricht so ziemlich allen Theorien, die wir haben.

"Es gibt im Universum eine Form von Energie, die die unglaublich merkwürdige Eigenschaft hat, dass sie einen negativen Druck ausübt. Das Problem damit ist, dass es in unserem Verständnis von Physik für eine solche Energieform keinen Platz gibt."
Jochen Liske, Astrophysiker

Was tun? Es gibt zwei Möglichkeiten: A: Wir schmeißen all unsere Theorien über den Haufen. Oder B: Wir postulieren einfach etwas, für das wir keinerlei Hinweise haben, dass es existiert. Die meisten Physiker haben sich für Option B entschieden. Dieses unbekannte Etwas ist die Dunkle Energie. Keiner hat sie je gesehen oder gemessen. Aber wenn es sie wirklich geben sollte, dann macht sie den größten Teil unseres Universums aus.

Jochen Liske ist Professor für Astrophysik an der Universität Hamburg. Er erforscht, wo und wie neue Galaxien entstehen und arbeitet daran, das Universum mit einem Riesenteleskop zu vermessen. Sein Vortrag hat den Titel "Riesenteleskope und Einsteins größte Eselei". Darin erzählt er, wie es zur Idee der "dunklen Energie" kam, und warum sich ein Fehler, den Albert Einstein einst selbst als seine "größte Eselei" bezeichnet hat, vielleicht als echter Geniestreich entpuppt.

Liske hat seinen Vortrag am 14. Juni 2017 im Wissenschaftszentrum Bonn gehalten, im Rahmen der Reihe "Exkurs" der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Mehr zum Thema