Die Tötung des 17 Jahre alten Harambe im Zoo von Cincinnati, eines der wenigen Silberrücken in Gefangenschaft, sorgte für Aufregung. Das Leben eines vierjährigen Jungen stand auf dem Spiel. Die Wärter entschieden sich für den Jungen und gegen den Gorilla.

Für die Wärter war die Tötung des Gorillas keine leichte Entscheidung. Harambe ist ein westlicher Flachlandgorilla. Die Art ist vom Aussterben bedroht, und die Tierpfleger hatten noch viel vor mit Harambe: Der junge Silberrücken sollte noch viele kleine Gorillas zeugen. Doch ein kleiner, vierjähriger Junge kletterte in das Gorillagehege.

Die Wärter töten Harambe

Die Wärter schafften es nicht mehr, Harambe rechtzeitig aus dem Gehege zu entfernen. Harambe entdeckte den Jungen und schleifte ihn mit sich. Das 200 Kilogramm schwere Männchen fügte dem Kind allein dadurch bereits Verletzungen zu. Selbst wenn er ihn nicht ernsthaft attackiert hätte, hätte er allein mit seiner Kraft und Masse dem Jungen weiter lebensbedrohlich zugesetzt. Die Wärter schossen. Viele Tierfreund haben sich empört: Ist denn das Leben des Jungen mehr wert als das des Gorillas.

Wie viel uns ein Tierleben wert ist, entscheidet tatsächlich unsere "moral expansiveness". Diese moralische Ausdehnfähigkeit ist bei jedem individuell anders. Australische Forscher stellen sich in ihrer Studie diese moralische Ausdehnung kreisförmig vor. Im inneren Kreis steht demnach unsere Familie, die für die meisten Menschen die größte Bedeutung hat. Im nächsten Umkreis stehen dann Fremde, intelligente Tiere wie Affen und Delfine, danach Pflanzen, Umwelt und so weiter.

Moralische Kreise beeinflussen unsere Entscheidungen

Lebewesen, die sich auf den äußeren Kreisen unserer moralischen Ausdehnung befinden, sind uns entsprechend weniger wert und entsprechend weniger wichtig ist es uns, ob diese Tiere moralisch richtig behandelt werden oder nicht. Dieses Empfinden ist individuell unterschiedlich. Extreme Tierfreunde würden sogar ihr Leben für einen Schimpansen opfern. Andere schätzen das Leben eines Menschen immer höher als das von Tieren und Pflanzen ein.

Bemerkenswert an der Studie ist, dass die Forscher festgestellt haben, dass sich die moralischen Kreise im Verlauf der Jahrzehnte vergrößert haben. Heute ist es vielen Menschen wichtiger, dass auch Tiere mit Respekt behandelt werden als noch 50 Jahren. Damit hängt für viele Menschen auch zusammen, ob es ethisch vertretbar ist, dass wir Tierversuche durchführen oder Tiere für die Fleischproduktion in Massen halten.

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