In Moskau sollen 5.000 alte Wohnblöcke aus der Sowjetzeit platt gemacht werden. Die Bewohner könnten ihre Wohnsituation verbessern, aber auch Rechte an ihrem Eigentum verlieren.

Die Wohnblöcke, um die es geht, sind aus der Zeit Chruschtschows, die sogenannten Chruschtschowski. Es sind fünfstöckige Wohnhäuser mit kleinen Wohnungen. Nach dem Ende der Sowjetunion wurden sie privatisiert und die Bewohner konnten sie vom Staat erwerben. "Sozialwohnungen sind es nicht, trotzdem wohnen dort viele Rentner, aber auch Vertreter der Mittelschicht", weiß unsere Korrespondentin Gesine Dornblüth.

"In den Treppenhäusern stinkt es grundsätzlich nach Katzenpisse, aber die Wohnungen sind in ganz unterschiedlichem Zustand."
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Gesine Dornblüth

Die Stadt Moskau hatte zuerst eine Liste erstellt, welche Häuser weg sollen und angeblich baufällig sind. Nach starken Protesten entschieden sich die Behörden, die Bewohner am Prozess zu beteiligen: Ihnen wurde das Recht eingeräumt, in Eigentümerversammlungen über das Schicksal der Wohnblocks abzustimmen.

"Bei den Eigentümerversammlungen war eine Zweidrittelmehrheit nötig, um den Abriss zu beschließen. Jedes Haus hat für sich abgestimmt."
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Gesine Dornblüth

Der Plan ist, neue Häuser zu bauen - laut Gesetz hat aber jeder das Recht auf eine Wohnung im selben Bezirk. Es gibt aber noch andere Varianten: Beispielsweise Wohnen in einem besseren Bezirk - das würde dann aber teurer. Oder man zieht in einen schlechteren Bezirk - dort gibt es dann ohne Aufschlag eine etwas größere Wohnung.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren Datenschutzbestimmungen.

Unklar ist, ob die Bewohner, die in eine neue Wohnung umziehen, auch die Rechte am Grund und Boden des neuen Haues erhalten oder nicht. Viele Bewohner waren für einen Abriss. Besonders in den eher nicht so schönen Bezirken erhofften sie sich eine Verbesserung ihrer Wohnsituation.

"Sollte der Eigentümer des neuen Hauses beschließen es abzureißen, hätten die Bewohner keine Chance mitzureden."
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Gesine Dornblüth

Für eine Umsiedlung würde der russische Staat 47 Milliarden Euro ausgeben. Nicht ganz uneigennützig, denn so ein teures Projekt ist natürlich auch ein großes Geschäft: Durch den Abriss würde Bauland frei und es könnten teure Immobilien darauf gebaut werden. Für Einkaufszentren oder große Bürohäuser zahlen Investoren viel mehr als Wohnungsbesitzer. 

Die Chruschtschowski - die fünfstöckigen Wohngebäude - stehen in ganz Russland. Das Moskauer Modell könnte also auch für andere Städte interessant sein, vermutet Gesine Dornblüth: "Um zu modernisieren, aber auch um Geschäfte zu machen."