Die Spitze des Mount Everest zu erklimmen, ist eigentlich schon schwer genug, doch Jost Kobusch will einen Rekord wagen: Er möchte den höchsten Punkt der Welt ohne Begleitung, im Winter und ohne zusätzlichen Sauerstoff erreichen. Einen Versuch hat er bereits hinter sich.

Seit der Erstbesteigung des Mount Everest im Jahr 1953 haben über viertausend Menschen den Gipfel erklommen. Aber nur drei Prozent gelang ein Aufstieg ohne Sauerstoffflaschen. Jost Kobusch will es nicht nur ohne Sauerstoff schaffen, sondern auch alleine und zur kältesten Jahreszeit. Das bedeutet: Temperaturen bis zu -60 Grad.

Wahrscheinlich viele Anläufe nötig

Im Winter 2018/2019 trat der Extrembergsteiger dieses Vorhaben zum ersten Mal an. Auf 7.350 Metern war dann aber Schluss: Ihn plagten nicht nur Magenprobleme, sondern er verletzte sich durch Komplikationen seinen Fuß.

Jost Kobusch sagt: Die größte Herausforderung war, dass er die Route noch nicht kannte. Bis er einen Weg etablieren konnte, war der Winter wieder vorbei – und damit auch sein erster Versuch für dieses Projekt. Das ist auch der Grund, warum wohl noch mehrere Versuche folgen werden. Ein solches Vorhaben lässt sich nur stufenweise realisieren, sagt der Extrembergsteiger. Wenn es sich denn überhaupt realisieren lässt.

"Ich bin als Athlet und Alpinist unfassbar neugierig. Mich faszinieren Dinge bei denen ich etwas lernen kann und etwas Neues sehe."
Jost Kobusch, Extrembergsteiger

Diese Ungewissheit reizt den Extremsportler. Er möchte herausfinden, wo seine Grenzen als Athlet liegen und ob sich ein solches Projekt für ihn in die Tat umsetzen lässt. Dafür bringt er auch viel Geduld mit: Sein Ziel für den zweiten Versuch ist erst einmal die 8.000 Meter zu erreichen und die Bedingungen auf der Höhe zu erkunden.

Luftdruck im Winter noch niedriger

Für sein Projekt hat sich Jost Kobusch die widrigste Jahreszeit ausgesucht. Der Winter ist auf dem Mount Everest zwar trocken und es gibt nur wenige Schneefälle, doch die eisigen Temperaturen und die hohen Windgeschwindigkeiten sorgen für eine extreme Belastung. Außerdem ist der Luftdruck im Winter noch niedriger als im Sommer. Im Grunde versuche er also einen 9.000 Meter hohen Berg zu besteigen, erklärt Jost Kobusch.

"Auf dem Mount Everest nehme ich mit demselben Atemzug nur halb so viele Sauerstoffmoleküle auf wie in Deutschland. Das liegt nicht daran, dass es hier weniger Sauerstoff gibt, sondern daran, dass hier nur der halbe Druck herrscht. Sprich: Die Teilchen sind weiter auseinander."
Jost Kobusch, Extrembergsteiger

Da der Körper mit dem gleichen Atemzug weniger Sauerstoffmoleküle aufnehmen kann, ist die einfachste Reaktion: mehr zu atmen. Jost Kobusch erklärt, dass er auf dem Berg also ständig aus der Puste ist und hyperventiliert. Hinzu kommt auch Husten durch die trockene Luft.

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6.000 Meter zur Akklimatisation

An die dünne Luft in solchen Höhen muss sich der Körper erst einmal gewöhnen. Nach zwei bis drei Wochen in höheren Lagen bildet er mehr rote Blutkörperchen, die das Gewebe optimal mit Sauerstoff versorgen. Auch Jost Kobusch ist schon mehrere Wochen vor dem Start seines Projekts in Nepal angekommen.

Doch zu einer Hütte auf 5.000 Metern zu steigen und dort rumsitzen – das war dem Extrembergsteiger zu langweilig. Er hat sich zur Vorbereitung beispielsweise bis dahin noch unbestiegene Berge in Höhe von 6.000 Metern vorgenommen.

"Ich konnte nie vom Dreimeterbrett springen, aber als ich in der 6. Klasse die Kletter-AG wählen konnte, hat mich die Höhe trotzdem gereizt."
Jost Kobusch, Extrembergsteiger

Solche Höhen kennt Jost Kobusch aus seiner Heimat nicht: Der 29-Jährige ist in der Nähe von Bielefeld aufgewachsen. Höhen habe er als Kind sogar eher gescheut. Doch die eigenen Ängste zu überwinden, reizte ihn schon früh – und ist auch heute noch eine seiner größten Motivationen.

"Wenn ich am Berg in schwierigen Situationen bin, ist auch die Angst da. Aber diese Angst erzeugt Fokus. Ohne diese Angst könnte ich wahrscheinlich nicht 32 Stunden nonstop konzentriert klettern."
Jost Kobusch, Extrembergsteiger

Angst kennt der Extrembergsteiger aber trotzdem noch und das ist auch gut so, erklärt er. Denn nur die Angst bringe ihn dazu, sich am Berg auf jeden seiner Schritte zu konzentrieren. Jost Kobusch vertraut darauf und auf seine Vorbereitungen: Denn auf Rettung kann er sich nicht verlassen. Kein Sherper kann die anspruchsvolle Route klettern und eine Rettung aus der Luft ist auch nur bis 7.000 Metern möglich.

Ihr könnt Jost Kobusch hier auf seinem Weg zum Gipfel verfolgen.