Der ständige Regen nervt nicht nur, er schafft auch die beste Voraussetzung für eine Stechmückenplage. Denn es ist feucht und warm. In diesem Sommer wird es nicht nur ein paar Mücken mehr geben, sondern eine echte Plage, befürchtet unser Biologie-Experte Mario Ludwig.

In Deutschland gibt es zwei Stechmückenarten, die uns vor allem auf den Nerv gehen. Die sogenannten Hausmücken und Überschwemmungsmücken. Letztere legen ihre Eier in die Gebiete der großen Flüsse wie Elbe, Donau oder Rhein ab, die bei einem möglichen Hochwasser überschwemmt werden. Kommt dann tatsächlich das Hochwasser, schlüpfen die Larven. Sie leben eine Zeit lang im Wasser bis sie sich zum fertigen Insekt entwickeln - und dann stechen sie.

"Je höher ein Hochwasser ist und je mehr Hochwasser man im Jahr hat, mit desto mehr Stechmücken muss man rechnen."
DRadio Wissen-Biologe Mario Ludwig

Im Mai und Juni regnete es ziemlich stark, so dass manche Gebiete im Hochwasser versanken. Das bedeutet, dass es vermutlich auch ziemlich viele Stechmücken geben wird.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Mücken loszuwerden. Im Oberrheingebiet zwischen Mainz und Freiburg wollen rund hundert Städte und Gemeinden gemeinsam die Zahl der Stechmücken auf ein erträgliches Maß reduzieren. Die Insekten werden nicht mit der chemischen Keule, sondern mit einem biologischen Mittel bekämpft.

Ein Eiweißkristall, das von einem Bakterium namens Bacillus thuringiensis israelensis hergestellt wird, soll in den Überschwemmungsgebieten per Rückenspritzen oder mit Hubschraubern verteilt werden. Die Stechmückenlarven nehmen die Eiweißkristalle auf. Diese gelangen in den Darm und zersetzen die Darmwand. Die Stechmücke stirbt. Das Ganze funktioniert nach dem "Schlüssel-Schloss-Prinzip". Die Methode funktioniert ausschließlich bei Stechmückenlarven. Andere Organismen oder auch der Mensch sind nicht gefährdet.

"Bei dieser Methode werden nicht alle Stechmückenlarven abgetötet, sondern nur etwa 90 Prozent."
DRadio Wissen-Biologe Mario Ludwig

Manche sehen das Verfahren trotzdem kritisch. Denn wenn alle Stechmücken abgetötet werden, haben Vögel und Amphibien nichts mehr zu fressen. Doch die Mücken werden nicht zu hundert Prozent getötet, sagt Mario. Außerdem gebe es Jahre, in denen es mangels Hochwasser keine oder nur wenige Stechmücken gibt, in denen Vögel und Frösche deshalb auch nicht verhungern, ergänzt der Biologie-Experte.