An der Oder sind momentan besonders viele hungrige Stechmücken unterwegs. Pro Minute sind es in manchen Regionen bis zu 100 Stück. Eine Plage, der kaum jemand freiwillig zu nahe kommt – Biologin Doreen Werner schon. Zusammen mit Kolleginnen zählt sie die Blutsauger.

Eine Mücke reicht, um einen wahnsinnig zu machen. Hundert Mücken fressen einen auf. Das sagt Biologin Doreen Werner, und sie kann aus Erfahrung sprechen. Sie arbeitet am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und die aktuelle Mückenplage entlang der Oder kommt für sie und ihre Kollegen wie gerufen.

Jetzt können die Wissenschaftler in sehr kurzer Zeit ganz gezielt Fragestellungen nachgehen und die Forschung vorantreiben. Denn die einheimischen Mücken in Deutschland sind weitgehend unerforscht.

"Niemand bewegt sich freiwillig in diese Wälder rein, weil man wirklich aufgefressen wird."
Doreen Werner, Biologin

Die Biologin und das Team gehen mitten in die Mückenplage hinein, um zu zählen, wie viele Mücken tatsächlich umherschwirren. Von einer Mückenplage sprechen Forscher, wenn pro Minute mehr als zwanzig
Mückenstiche oder mehr dokumentiert werden können.

68 hungrige Blutsauger

Bei Doreen Werner haben die Stechmücken in einer Minute 68 Mal zugestochen. Gleichzeitig führen sie auch sogenannte Infektionsversuche durch. Dabei erforschen sie, welche Krankheitserreger von einheimischen Mücken aufgenommen und auch wieder abgegeben werden.

Mehrere Mücken der Art Aedes vexans sind auf dem Arm der Biologin Doreen Werner, die im Auwald der Stadt Frankfurt (Oder) steht, zu sehen.
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Der Arm von Doreen Werner während sie auf Mückenjagd geht
"Von einer Plage spricht man erst, wenn man 20 Mückenstiche pro Minute hat oder darüber. Und das erreichen wir sehr selten."
Doreen Werner, Biologin

Der Grund für die Mückenplage: die Witterungsbedingungen in diesem Sommer. Mückeneier sind trockenresistent, sagt Doreen Werner. Das heißt, die Eier können über mehrere Jahre überleben. Sobald diese dann mit Wasser benetzt werden, können die Larven schlüpfen.

Optimale Entwicklungsumgebung

Genau das ist an der Oder passiert: Starke Niederschläge haben zu einem Ansteigen des Flusses geführt, sodass Eier befeuchtet wurden. Durch die warmen Temperaturen können sich die Mücken außerdem besonders schnell entwickeln.

"Wenn Seen oder größere Flachlandflüsse in ihrem Pegelstand hin und her schwanken, dann ist das sozusagen eine Einladung für die Mücken, die dort ihre Eier abgelegt haben, zu schlüpfen."
Doreen Werner, Biologin

Im Gegensatz zu Hausmücken, sind die sogenannten Überschwemmungsmücken sehr aggressiv, sagt Doreen Werner. Eine Hausmücke schwirre herum und ist wählerisch bei der Wahl ihrer Mahlzeit. Der Überschwemmungsmücke gehe es darum, ihre Art zu erhalten. Deshalb steche sie immer zu, erklärt die Biologin.

"Hausmücken umschwirren einen so ein bisschen und überlegen: Steche ich oder steche ich jetzt nicht. Aber die Überflutungsmücken sind kleine Kamikaze-Flieger. Die denken nicht nach, die hauen ihren Stecher rein und saugen."
Doreen Werner, Biologin