Wo kommen die multiresistenten Keime her? Vielleicht züchten wir sie selbst heran. In der Massentierhaltung. Menschen die dort arbeiten und Landwirte werden in Krankenhäusern als Risikopatienten eingestuft. Die Pharmaindustrie trägt ihren Teil dazu bei.

1400 Tonnen Antibiotika liefert die Pharmaindustrie jedes Jahr an Tierarztpraxen. Und die verteilen ordentlich. Ist ein Tier krank, bekommt direkt die ganze Herde das Medikament. Das geht ganz leicht über das Trinkwasser. Veterinäre nennen das "Metaphylaxe". Das ist rechtlich zwar zulässig, aber umstritten. Der Vorwurf: Wer ständig Antibiotika einsetzt, treibt die Ausbreitung multiresistenter Keime bis in die Krankenhäuser voran.

"Wir haben jeden Tag mit Patienten zu tun, die mit multiresistenten Erregern bei uns im Krankenhaus liegen. Immer häufiger müssen wir Reserve-Antibiotika einsetzen."
Martin Eikenberg, Hygieniker am Klinikum Bremen Mitte über multiresistente Keime

Mediziner haben Angst, dass auch die Reserve-Mittel bei uns Menschen bald nicht mehr wirken. Sehr häufig sind die Keime bei den Landwirten und Mitarbeitern der Mastbetriebe resistent gegen die gängigen Antibiotika. Sie gelten als Risikopatienten, ähnlich wie Neugeborene oder alte Menschen, mit nicht so starkem Immunsystem.

"Wenn die Darmerreger in die Blutbahn gelangen, dann bekommen sie eine Blutvergiftung, die im schlimmsten Fall tödlichen enden kann."
Martin Eikenberg, Hygieniker am Klinikum Bremen Mitte über multiresistente Keime

Antibiotikaresistente Erreger lassen sich in Mettwurst und Putenfleisch nachweisen. Über die Tiere selbst gelangen sie aber auch ins Grundwasser. Heißt: auch Vegetarier kommen damit in Kontakt. Ärzte fordern von der Politik den Einsatz von Antibiotika bei Hühnern, Puten und Schweinen schärfer zu kontrollieren. Landwirte und Tiermediziner hingegen sehen die Vorteile von Antibiotika.

"Die Haltung von Masttieren ist nicht möglich ohne einen massiven Einsatz von Antibiotika. Ohne eine solche Therapie würden die meisten Tiere sterben."
Veterinär Siegfried Ueberschär über Masttierhaltung

Die Tierärzte verdienen mit den Antibiotika viel Geld. Wenn sie im großen Stil arbeiten erwirtschaften sie Millionen-Beträge. Aber eine Massentierhaltung ist ohne den Einsatz der Antibiotika nicht möglich. Die Tiere würden alle krank werden und sterben.