Dass Musik Gefühle in uns auslöst, ist keine Neuigkeit. Aber fühlen wir alle gleich auf der Welt? Ein Forschungsteam hat eine Klangkarte entwickelt, die zeigt: Gefühle sind kulturübergreifend.

Studien zum Thema Musik und Gefühle gibt es zur Genüge. Diese laufen in den meisten Fällen so ab: Die Probanden bekommen unterschiedliche Musikausschnitte vorgespielt und sollen dann zwischen vier bis sechs Antwortmöglichkeiten, darunter Standard-Gefühlen wie "Freude" oder "Trauer", entscheiden, was die Musik in ihnen auslöst.

Ein Forschungsteam aus Kalifornien und den Niederlanden hat diese Art der Befragung kritisiert. Sie haben mit einer erweiterten Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten neu untersucht, wie Musik uns kulturübergreifend berühren kann.

Mehr als nur die Standard-Gefühle

Das Team hat den Probanden deshalb 28 verschiedene Emotionen zur Auswahl gestellt, darunter beispielsweise "Triumph" oder "Trotz". Jeder der Probanden hat 40 sehr kurze und unterschiedliche Musikausschnitte vorgespielt bekommen, um diese dann bestimmten Gefühlen zuzuordnen. Am Ende sind dabei 13 Gefühle herausgekommen. Das sind doppelt so viele wie in den bisherigen Studien.

Kulturell übergreifende Studie

Die kulturelle Dimension ist den Forschenden bei dieser Studie besonders wichtig: Unter den 2000 Probanden sind deshalb genauso viele Amerikaner wie Chinesen vertreten. Auch die ausgewählte Musik hat verschiedene kulturelle Hintergründe. Das Ergebnis: Beim Großteil der Musikstücke haben die Probanden ähnliche Gefühle wahrgenommen - kulturübergreifend.

"Insgesamt haben die Probanden aus beiden Ländern die Musikschnipsel als sehr ähnlich empfunden."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Es könne zwar durchaus sein, dass wir beispielsweise durch Filme kulturell geprägt sind. Aber aufgrund der Ergebnisse, dass sowohl die westliche als auch die asiatische Musik fast gleich eingeschätzt wurde, könnten die Forscher nicht bestätigen, dass unsere Kultur auch unsere Emotionen bestimmt.

Ergebnis als animierte Klangwolke

Das Ergebnis haben die Forscher in einer bunten, musikalischen Klangwolke präsentiert. Hier wurden die Musikschnipsel den 13 Gefühlen räumlich zugeordnet. Sie zeigt auch, dass viele Musikstücke unterschiedliche Emotionen auslösen können. Je mittiger die Musikausschnitte in der Wolke, desto mehr Gefühle haben sie in den Probanden ausgelöst.