Wegen der Coronapandemie werden Konzerte, Tourneen und Festivals abgesagt. Musikern brechen dadurch wichtige Einnahmen weg. Jetzt gibt es den Vorschlag, mehr deutsche Musik im Radio zu spielen. Den Vorschlag gab es schon mal.

Carolin Kebekus hatte da vor kurzem einen Vorschlag an deutsche Radiostationen: Die Sender sollten doch einfach mal mehr Musik von deutschen Künstlern und Künstlerinnen spielen, damit sie in diesen schwierigen Zeiten wenigsten ein bisschen Geld verdienen. – Und damit ist sie plötzlich wieder aktuell, die Diskussion um mehr deutsche Musik im Radio.

Die Diskussion wurde auch noch von anderer Seite angestoßen: Unter dem Hashtag #airplayforartists fordert ein Bündnis aus 40 Acts entsprechende Präsenz im Radio. Ihr Wunsch ist es: Radiosender senden pro Stunde einen deutschen Musiker und nennen Titel und Namen. Die Beteiligten fordern, dass diese Regelung auch wirklich 24 Stunden am Tag und alle sieben Tage in der Woche durchgezogen wird.

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Ähnliche Ideen kommen auch von einem Bündnis deutscher Künstlermanager. Das fordert: 50 Prozent Musikanteil in den Radios für heimische Künstler. In einem Text, den der Musikmanager Marc Feldmann bei Facebook gepostet hat, heißt es: "Unterstützt die heimischen Musiker… besonders die Newcomer, und kleineren Acts aller Genres!"

Nicht alle Musiker unterstützen eine Quote im Radio

Aber nicht alle Musiker sind sich bei diesen Forderungen einig. Gegenwind gibt es zum Beispiel von den Beatsteaks. Sie haben sich bei Facebook klar von dieser Forderung distanziert. Und auch die Punkband Montreal schreibt bei Facebook, das das eine "depperte Kampagne" sei. Sie schreiben: "Natürlich freuen wir uns, wenn Radiosender unsere Lieder spielen, aber doch bittschön nicht nur wegen unserer Herkunft."

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Martin Haller, ein Musiker, der auch bei uns auf der Playlist steht, tut sich schwer, Position zu beziehen. Er musste seine Tour wegen der Corona-Pandemie abbrechen, und auch an anderer Stelle hat er Verdienstausfälle. Aber diese Unterscheidung – zwischen deutsch und nicht deutsch – findet er eher schwierig.

"Ich fände es spitze, wenn die Konkurrenz kleiner ist, wenn Künstlern und Künstlerinnen mehr Bühne geboten wird. Aber gleichzeitig denke ich mir, sollte eigentlich auch das gespielt werden, was die Sender selbst am Besten finden."
Martin Haller, Musiker

Und er sagt auch: Eine feste Radioquote taugt nicht als Corona-Sofort-Hilfe, weil die Gema (das ist eine Verwertungsgesellschaft, die sich darum kümmert, dass Künstler Geld dafür bekommen, wenn ihr Musik in der Öffentlichkeit gespielt wird) ihre Tantiemen immer zeitversetzt ausschüttet, ungefähr ein Jahr später. Sinnvoller wäre es deshalb jetzt, wenn Fans Platten oder Tickets für seine Tour kaufen würden, die für nächstes Jahr geplant ist. Dieses Geld stünde ihm dann sofort zur Verfügung.

Lilly Among Clouds hatte Glück

Auch Lilly Among Clouds ist ziemlich hin- und hergerissen. Einerseits findet sie, kleine Acts aus Deutschland bekommen zu wenig Platz im Radio. Andererseits sagt sie aber auch: Deutsch oder nicht deutsch – das sollte keine Rolle spielen. Grundsätzlich sagt aber auch Lilly: Im Radio zu laufen, das bringt schon Kohle. Am liebsten wäre es ihr aber, wenn es ohne Quote ginge.

Die Musikerin verdient zurzeit vor allem an Merch-Verkäufen – an signierten Platten zum Beispiel. Ansonsten versucht sie gerade, sparsam zu leben. Und sie hatte obendrein ein bisschen Glück. Sie konnte ihre Tour vor ein paar Wochen noch gerade zu Ende spielen. Und jetzt ist planmäßig bei ihr sowieso Rückzug und Songwriting angesagt.

Das komplizierte System der Gema

Das Geld, das Musiker und Musikerinnen von der Gema erhalten, treibt die Verwertungsgesellschaft an sehr unterschiedlichen Stellen ein: Clubs zahlen die Abgabe zum Beispiel, aber auch Fitnessstudios und Film-Produktionen, und sogar Musiker und Musikerinnen selbst müssen für ihre Konzerte eine Gema-Abgabe zahlen. Und Radiosender zahlen auch.

14 Prozent der Einnahmen bleiben im Schnitt bei der Gema – als Verwaltungsgebühr. Der Rest wird aufgeteilt. Das System ist dabei alles andere als einfach. Ursula Goebel von der Verwertungsgesellschaft überschlägt es folgendermaßen: "Nehmen wir an, dass ein Song drei Minuten dauert und wird auf einem Mainstream-Sender, wie beispielsweise Energy oder Deutschlandfunk, gespielt. Und gehen wir davon aus, dass dieser Song 100 Mal gespielt wird, dann spielt dieser Song rund 84 Euro ein."

Die 84 Euro werden dann aufgeteilt: Ein Drittel geht immer an den Musikverlag – das ist nicht das Label, sondern ein Verlag, der die Urheberrechte verwaltet. Ein Drittel geht an denjenigen, der den Text geschrieben hat. Und ein Drittel an die Komponistin.

Mehr internationale Musiker bedeutet weniger Geld für die anderen

Ursula Goebel sagt: "Es gibt ganz viele Faktoren, nach denen am Ende auch entschieden wird, wie hoch die Summe der Ausschüttung ist: Sendedauer, dann gibt es einen sogenannten Sender-Koeffizienten und Kulturfaktoren."

Und noch weitere Faktoren spielen in diesem komplizierten System eine Rolle. Am Ende steht auf jeden Fall fest: Ein Radiosender bestimmt die Mischung seiner Songs. Wenn er sich für viele große, internationale Künstler entscheidet, dann bleibt am Ende weniger Geld für deutsche Bands oder vielleicht auch für Newcomer oder weniger bekannte Künstler.