Männernamen dominieren auf Festivalplakaten, sie dominieren die Charts. Immer noch. Und das obwohl man durch erfolgreiche Künstlerinnen wie Ariana Grande, Billie Eilish oder Lady Gaga den Eindruck gewinnt: Es gibt sie doch! Trotzdem gleicht sich das Geschlechterverhältnis nur langsam aus. Warum eigentlich?

In der Musikindustrie gibt es immer noch mehr erfolgreiche Männer als Frauen. Unter den Top 100 der Billboard Jahrescharts 2019 beispielsweise, machen Frauen nur rund ein Viertel der aufgelisteten Künstler aus. Popgrößen wie Taylor Swift, Ariana Grande oder Billie Eilish lassen sich zwar nicht wegdenken, trotzdem kommt auf jede von ihnen 3,6 Männer. Diesen Wert haben Forschende der USC Annenberg im Januar 2020 ermittelt.

Auch Experten sind sich nicht einig, woran das eigentlich liegt. Keychange ist eine von der EU geförderte Initiative für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Musik. Sie versuchen Gründe zu finden, um gezielt gegen das Missverhältnis vorzugehen.

"Viele Frauen, die am Höhepunkt ihrer Karriere stehen, sind auch im besten Alter eine Familie zu gründen.“
Christina Schäfers, Initiative Keychange

Viele Musikerinnen, die an den Workshops der Initiative teilnehmen, würden berichten dass es an Vorbildern mangelt. Außerdem stünden sich Familiengründung und Karriere gelegentlich im Weg. Allein diese Gründe können aber laut Christina Schäfers, das extreme Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern nicht erklären.

Mehr Frauen auf Festivalbühnen

Auf den Festivalbühnen lässt sich allerdings ein langsamer Wandel beobachten. Musikvermittler Philip Jakob Pahl erklärt, der Druck aus den Sozialen Medien habe dafür gesorgt, dass Booker und Bookerinnen vermehrt auf ein geschlechterausgewogenes Line-Up eines Festivals achten. Ist dem nämlich nicht so, sei ein Shitstorm garantiert. Darum sei es auch leichter geworden, weibliche Künstlerinnen zu vermitteln.

Streamingdienste gendern mit

Langsam tut sich also etwas. In den USA zum Beispiel sind Frauen in der Branche in den letzten Jahren sichtbarer geworden. Bei den letzten Grammys waren 20 Prozent Frauen nominiert. Zum Vergleich: 2018 waren es gerade einmal acht Prozent. Wer erfolgreich wird, entscheiden allerdings nicht nur Booker, Labels und Hörer, sondern auch Streamingdienste.

Im Genre Country ist dem Streamingdienst-Marktführer Spotify vorgeworfen worden, sein Algorithmus bevorzuge Männer. Äußern wollte sich der Konzern dazu nicht, doch eine Änderung gab es trotzdem: Seit Mitte Januar 2020 heißt es in der deutschsprachigen Version nicht mehr Künstler, sondern Künstler*innen.