Donald Trump steht unter Druck: Viele von ihm unterstützte Kandidaten
haben bei den US-Zwischenwahlen enttäuschend abgeschnitten. Die Republikaner haben die Mehrheit im Senat verspielt. Alle blicken nun auf Georgia, wo die Entscheidung noch aussteht.

Die "rote Welle" blieb aus - entgegen der Meinungsumfragen haben die US-Republikaner die Demokraten nicht überwiegend aus den Ämtern gefegt, obwohl die Inflation in den USA mit etwa acht Prozent vergleichsweise hoch ist und viele Wählerinnen und Wähler beschäftigt hat.

"Man hat gedacht: Die Inflation ist hoch, die Lebenshaltungskosten sind hoch, Joe Biden ist unbeliebt, und da wählen alle die andere Partei, also die Republikaner. Aber das hat nicht funktioniert."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Genau wie die Wahlumfragen lang auch Donald Trump mit der Auswahl der Kandidaten daneben, die er persönlich unterstützt hat: In Pennsylvania etwa unterlag der Republikaner Mehmet Oz deutlich dem Demokraten John Fetterman. Auch Blake Masters, der im Wahlkampf mit Lügen und Verschwörungstheorien zu punkten versuchte, verlor in Arizona gegen den Demokraten Mark Kelly.

"Donald Trump hat ein paar Kandidaten durchgesetzt, die wirklich niemand wollte."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Politikwissenschaftler Thomas Jäger sagt, Ex-Präsident Trump steht nun unter Druck innerhalb der Partei, weil er Hardliner als Kandidaten durchgesetzt hat, die keiner wollte.

Zudem konnten die Demokraten mit ihren eigenen Themen Stimmen gewinnen: So stehen die Demokraten dafür, Schwangerschaftsabbrüche in den USA weiterhin zu ermöglichen. Und sie wollen keine Einschränkungen im Wahlrecht.

Georgia war immer ein republikanischer Staat

Noch offen ist das Rennen um den Senat, wo Republikaner und Demokraten fast gleichauf liegen. Der Fokus liegt auf dem Bundesstaat Georgia, der immer republikanisch war, wo sich aber die beiden Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

"Die beiden Kandidaten, die in Georgia ins Rennen gehen, liegen nur 0,9 Prozent auseinander."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Die Demokraten konnten in Georgia zulegen, unter anderem weil sich die Bevölkerung, etwa in der Hauptstadt Atlanta, verjüngt habe, sagt Thomas Jäger: Neue Unternehmen haben sie angezogen, die demografische und ethnische Struktur habe sich verändert - und viel mehr schwarze Wählerinnen und Wähler haben sich erstmals für die Zwischenwahl registriert.

Die schwarze Wählerschaft ist größer geworden

"Georgia wird den Unterschied machen", sagt Thomas Jäger. Die Stichwahl dort findet am 6. Dezember statt - und womöglich wird sie darüber mitentscheiden, wie das Urteil von Parteikollegen über Trump ausfällt. Die ersten Republikaner raten ihm schon jetzt öffentlich davon ab, erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren.

"Trumps Ego, das passt nach seiner Ansicht nur ins Weiße Haus."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Doch dass ein Donald Trump sich davon beeindrucken lässt, glaubt der Politikwissenschaftler nicht. Trump habe sich schon zu weit aus dem Fenster gelehnt, als dass er jetzt noch einen Rückzieher machen könnte. Viele rechnen fest damit, dass er erneut als Präsident kandidieren wird.

Wer würde den Kampf mit Trump aufnehmen?

Zudem, so Thomas Jäger, gebe es auch keine Kandidaten, die es mit ihm aufnehmen könnten: Ex-Vizepräsident Mike Pence sei zwar bekannt, aber in der Partei zu unbeliebt. Und Aufsteiger Ron DeSantis, Gouverneur in Florida, sei zwar populär aber noch zu jung: "Der hat problemlos noch ein paar Jahre Zeit, der wird nicht in den Kampf mit Donald Trump gehen."

"Was die Midterms gezeigt haben: Die Demokraten haben gegen Donald Trump ihre Wählerinnen und Wähler mobilisiert."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Selbst wenn sich Trump innerhalb seiner Partei als Kandidat durchsetzen kann, haben die Zwischenwahlen nun doch gezeigt, dass die Demokraten keinesfalls schon geschlagen sind: Sie konnten ihre Wählerschaft mobilisieren, sagt Thomas Jäger, auch oder gerade gegen den Einfluss von Trump.

  • Moderatorin:  Sonja Meschkat
  • Gesprächspartner:  Thomas Jäger, Politikwissenschaftler