Die USA haben eine Luftwaffenbasis in Syrien angegriffen. Damit reagieren sie auf den mutmaßlichen Giftgasanschlag in der syrischen Region Idlib, bei dem mehr als 80 Menschen getötet wurden. Donald Trump hat den Angriff persönlich angeordnet. Und das, obwohl er immer gesagt hat, die USA sollten sich in Syrien nicht einmischen.  

US-Präsident Trump hat den Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis in einer kurzen Ansprache verkündet. Dieser Angriff richtete sich gegen einen Flugplatz in der Nähe von Homs, rund 200 Kilometer nördlich von Damaskus. Die USA gehen davon aus, dass von diesem Flugplatz aus der Giftgas-Angriff auf Chan Scheichun in der syrischen Region Idlib geflogen wurde, bei dem am Dienstag über 80 Menschen, darunter auch viele Kinder, ums Leben kamen.

Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem US-Angriff vier Menschen getötet, der Gouverneur der syrischen Provinz Homs spricht von fünf Toten. Der angegriffene Flugplatz sei stark beschädigt worden. 

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums hat bestätigt, dass 50-60 Tomahawk-Raketen von zwei amerikanischen Schiffen im östlichen Mittelmeer abgeschossen wurden. 

Kehrtwende der US-Regierung

"Es hat eine 180 Grad Wende gegeben. Bislang hat US-Außenminister Rex Tillerson gesagt, man wolle den syrischen Machthaber Assad nicht stürzen. Das gilt nicht mehr."
Marcus Pindur, USA-Korrespondent

US-Außenminister Tillerson will jetzt eine Koalition zur Absetzung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad schmieden. Im Wahlkampf hat Donald Trump noch sehr stark gegen solche Interventionen gewettert. Als Präsident Obama 2013 einen Militärschlag gegen Assad erwogen hat, forderte Trump via Twitter: Obama solle die Finger davon lassen, solche Interventionen würden nichts bringen.

Trump will Assad jetzt abstrafen

Offenbar haben sich Trumps nationaler Sicherheitsberater McMaster und US-Verteidigungsminister Mattis mit ihrer Kompetenz durchgesetzt. Sie werden Trump dazu geraten haben, diesen erneute Tabubruch von Assad, Chemiewaffen gegen Zivilisten einzusetzen, nicht unbeantwortet zu lassen und jetzt mit einem Abschreckungs-Schlag darauf zu reagieren. 

"Man bekommt den Eindruck, Trump ist in der Realität angekommen. Es ist eben etwas anderes, als Wahlkämpfer das Blaue vom Himmel zu versprechen oder als Präsident schwierige Entscheidungen treffen zu müssen."
Marcus Pindur, USA-Korrespondent

Reaktionen auf den US-Angriff:

Das syrische Staatsfernsehen hat die US-Angriffe verurteilt. Von Staatschef Assad gab es noch keine offiziellen Reaktionen. 

Andreas Schmitt, DRadio Wissen Nachrichten
"Aus dem Kreml in Russland heißt es, es ist ein Angriff auf die Souveränität Syriens gewesen. Andere Länder sehen das anders: Großbritannien hat den Angriff als angemessen bezeichnet."

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