Wir leben mit unseren Nachbarn auf engstem Raum zusammen und bekommen einiges von ihnen mit: den Toilettengang, wenn sie feiern oder Musik hören. Trotzdem zieht es uns in die Städte. Wie wir dort unser Zusammenleben gestalten können, erklärt Frank Eckart.

Diese Rückkehr in die Innenstadt ist ein Phänomen der vergangenen zehn Jahre, sagt Frank Eckardt, Professor für Architektur und Urbanistik an der Uni Weimar. Stadtmenschen leben nah zusammen, damit gewinnt auch die Nachbarschaft an Bedeutung. Das führt zu Konflikten, sagt Frank Eckardt. Denn der beste Nachbar ist immer derjenige, der genauso ist wie wir. Eine Folge dieses Wunsches ist die Gentrifizierung: Altbauten werden aufwendig saniert und die Wohnungen dann für viel Geld vermietet oder verkauft. Das führt dazu, dass nur eine bestimmte Gruppe von Menschen in solchen Wohngegenden zusammenlebt.

"Die sichbare Folge dieses Wunsches ist die Gentrifizierung. Die Lebensstile, die nicht dazu passen, werden letztendlich verdrängt."
Frank Eckardt, Professor für Architektur und Urbanistik an der Uni Weimar

Gentrifizierung beginnt damit, dass sich die Atmosphäre in einem Stadtteil ändert. Damit ändert sich die Gestaltung des öffentlichen Raums. "Und dass peu à peu die Leute, die sich damit nicht identifizieren können, da nicht mehr hingehen und nach und nach eine Nachbarschaft ihren Charakter verändert", sagt Frank Eckardt. Das muss nicht dazu führen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen aus den Stadtteilen vertrieben werden, aber es kann zu Konflikten kommen: zwischen Senioren und Studenten, Touristen und Einheimischen, Schwaben und Ostberlinern.

"In der Nachbarschaft leben, heißt auch Konflikte zu haben und die Konflikte auszuhalten. Nachbarn müssen miteinander auskommen. Da sind immer Leute dabei, die einen stören. Die Nachbarschaft ist der Ort, das im Alltag zu lernen."
Frank Eckardt, Professor für Architektur und Urbanistik an der Uni Weimar