Ausgediente Smartphones enthalten wertvolle Rohstoffe und landen trotzdem in der Schublade. Allerdings gibt es schon verschiedene Ideen, Smartphones nachhaltiger zu nutzen. Mit Pfand- oder Leihsystemen zum Beispiel.

Mehr als die Hälfte der Deutschen, 57 Prozent, hat mehr als drei ausrangierte Handys zu Hause liegen. Wir haben kürzlich darüber berichtet, dass viele Deutschen sich ein Smartphone-Pfand vorstellen können, eine Mehrheit aber immer noch skeptisch ist. Rund 53 Prozent der Befragten lehnen das Rückgabesystem ab.

Zwei Brüder aus dem nordhessischen Falkenberg haben es trotzdem versucht: Sie haben den Smartphone-Hersteller Shiftphone gegründet. Mit ihrer Firma produzieren sie die ersten nachhaltigen deutschen Smartphones und versuchen dies möglichst fair und transparent zu tun.

Wer hier ein Smartphone kauft, zahlt 22 Euro extra: So viel beträgt das Pfand.

"Wir haben das Pfandsystem Ende 2016 eingeführt. Also die Geräte sind noch nicht so alt. Und es ist auch ein gutes Zeichen, wenn noch nicht so viele Geräte zurückkommen."
Samuel Waldeck, einer der beiden Geschäftsführer von Shiftphone

Die Smartphones sind modular aufgebaut: Kamera, Akku und andere Teile kann man nach Belieben austauschen. Den Pfandbetrag erhält zurück, wer das Smartphone am Ende seiner Lebensdauer zurückgibt.

Falls es noch gut funktioniert, kann man bei der Rückgabe auch einen höheren Preis erzielen. Bestenfalls wird das Handy aufgearbeitet und runderneuert im eigenen Shop der Firma weiterverkauft.

Seit 2016: 60.000 verkaufte, 180 zurückgegebene Smartphones

Ist das Gerät nicht mehr tauglich, werden die noch funktionierenden Komponenten ausgebaut und als Ersatzteile für andere gebrauchte Smartphones genutzt. Das restliche Material wird erst vor sortiert und dann an spezialisierte Recyclingunternehmen verkauft.

Über 60 wertvolle Rohstoffe stecken im Smartphone, darunter Edelmetalle und seltene Erden. Durch das Pfandsystem und die nachhaltige Verwertung landet so wenig wie möglich davon im Müll oder endet in der Schublade.

Smartphones nur noch verleihen, dadurch Rückgabeanreiz erhöhen

Ein anderes Modell plant der niederländische Hersteller Fairphone, auch ein Unternehmen, das sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Das Konzept besteht darin, dass die Kunden Smartphones künftig nur noch leihen, aber nicht besitzen sollen.

Das soll den Anreiz erhöhen, dass sie das Gerät zurückgeben, ansonsten bleibt die Leihgebühr bestehen. Nachdem die Geräte dann aufbereitet werden, sollen sie an andere Kunden weitergegeben werden.

"Es führt einfach dazu, dass uns als Konsumenten der Wert von Produkten und den Materialien, die da drin sind, automatisch bewusst wird."
Erik Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz, forscht zu Material-Kreisläufen

Bisher gibt es in der Politik nicht viele Impulse, ein Smartphone-Pfand-System zu etablieren. "Die Grünen" sind zurzeit die Einzigen, die ein verpflichtendes Pfand von 25 Euro für Handys und Tablets fordern.

Sollte sich ein Pfand-System durchsetzen, sei es besser, dass die Geräte an die Hersteller zurückgehen, als sie in einem allgemeinen System zu sammeln, findet der Kreislauf-Experte Erik Hansen. Denn die Hersteller können am besten beurteilen, wie brauchbar ein Gerät noch ist.