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Es gibt Menschen, die nachts panisch aufschrecken, schreien und manchmal auch desorientiert im Raum umhergehen. Am nächsten Morgen können sie sich nicht mehr daran erinnern. Was steckt hinter dem Nachtschreck?

Es lässt sich nicht genau sagen, wie viele Menschen in Deutschland vom sogenannten "Pavor Nocturnus" betroffen sind. Bei einer repräsentativen Befragung aus dem Vereinigten Königreich haben gut zwei Prozent der Erwachsenen angegeben, Nachtschreck-Episoden zu erleben. Sicher ist, dass mehr Kinder als Erwachsene betroffen sind. Je nach Studie konnten die Forschenden für Deutschland feststellen, dass ein bis sieben Prozent der Kinder zwischen eins und sieben Jahren Nachtschreck-Episoden erleben.

Woran dieser Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern liegt, weiß man nicht.

"Vermutlich ist ein Gehirn, das noch nicht ganz ausgereift ist, etwas anfälliger für Arousal-Störungen wie Nachtschreck."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Ein noch nicht ganz ausgereiftes Hirn ist wahrscheinlich anfälliger für Arousal-Störungen, vermutet Schlafforscherin Dr. Christine Blume von der Uni Basel. Als Arousal-Störungen werden Schlafstörungen bezeichnet, bei denen es zu einer unvollständigen Aufwachreaktion kommt. Auch Schlafwandeln gehört beispielsweise dazu.

Wie genau entsteht der Nachtschreck?

Wer vom Nachtschreck betroffen ist, schreckt aus dem Schlaf auf. Oft beginnt der Nachtschreck mit einem Schrei oder Weinen. Teilweise setzen sich Betroffene abrupt im Bett auf, springen auf oder laufen panisch durchs Zimmer. Meistens haben die Betroffenen dabei die Augen geöffnet. Sie atmen schnell, haben Schweißausbrüche, Herzrasen und/oder zittern.

Ihr Gesichtsausdruck macht den Anschein, als hätten sie etwas Schreckliches gesehen. Bettpartner*innen, die die Episode miterleben, denken häufig, die betroffene Person hätte sich erschrocken oder Panik vor etwas.

"Wenn man versucht, die Person zu beruhigen, kommt meist nicht viel zurück. Das jagt auch den Personen, die das miterleben, einen riesigen Schreck ein."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Meistens ist die Nachtschreck-Episode nach 30 Sekunden bis fünf Minuten vorbei. Es gibt aber auch seltene Fälle, in denen sie bis zu 30 Minuten oder länger geht, erzählt Schlafforscherin Christine Blume.

Nachtschreck: In der ersten Hälfte der Nacht

Der Nachtschreck entsteht in der ersten Hälfte der Nacht, meistens sogar im ersten Drittel – nach etwa 60 bis 90 Minuten Schlaf. Denn das ist der Zeitpunkt, in dem der erste Schlafzyklus zu Ende geht. "Man hat das erste Mal diese sich im Lauf der Nacht mehrmals wiederholende Abfolge von Leichtschlaf und Tiefschlaf durchlaufen", beschreibt Christine Blume.

Bei Menschen mit Pavor nocturnus ist der Tiefschlaf verändert und weist eine verminderte Stabilität auf.

"Gerade diese Instabilität führt wohl dann dazu, dass es zu diesen Arousal-Störungen kommt – zu einem unvollständigen Erwachen aus dem Tiefschlaf."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

In dieser Folge Über Schlafen sprechen Schlafforscherin Christine Blume und Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge auch darüber, ob der Nachtschreck Betroffene insgesamt schlechter schlafen lässt – und ob und wie er behandelt werden muss.

Wir freuen uns über euer Feedback und Themenvorschläge an ueberschlafen@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Nachtschreck
Angst und Schreie in der Nacht
vom 07. Juli 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin, Uni Basel
  • Pavor Nocturnus - Was ist das?
  • Wer betroffen ist und wie die Diagnose gestellt wird
  • Tipps und Behandlung
  • Mythencheck: Bei Hitze Eiswasser neben das Bett stellen?
Unsere Quellen:
  • Gigliotti, F., Alvisi, R., & Pizza, F. (2022). Sleep terrors—A parental nightmare. Pediatric Pulmonology, 57(8), 1868–1876. doi.org
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  • Lopez, R., et al. (2014). Objective daytime sleepiness in patients with somnambulism or sleep terrors. Neurology, 83(22).
  • Ohayon, M. M., et al. (1999). Night terrors, sleepwalking, and confusional arousals in the general population: their frequency and relationship to other sleep and mental disorders. J Clin Psychiatry, 60(4).
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