Nährstoffangaben auf jeder Weinflasche? Winzerinnen und Winzern gefällt das nicht. Ursprünglich ging es auf europäischer Ebene um richtige Warnungen, wie beim Tabak.

Eine Ausschuss des EU-Parlaments hat einen Krebsbekämpfungsplan vorgelegt, über den das EU-Parlament bald beraten wird (Stand 17.02.2022). Darin geht es auch um alkoholische Getränke. Die vorgeschriebenen Warnhinweise sind inzwischen nicht mehr in dem Plan enthalten, die Vorschrift von Nährstoffangaben hingegen schon.

Die Verfassenden des Plans gehen davon aus, dass EU-weit rund 10 Prozent aller Krebserkrankungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Sie möchten erreichen, dass der Alkoholkonsum in der EU um 10 Prozent verringert wird. Ihr weiterreichendes Ziel: Die Zahl der Krebserkrankungen reduzieren, Erkrankte gut versorgen und die Krebsvorsorge optimieren. Alkohol ist ein Nervengift. Sucht- und erhöhte Krebsrisiken sind hinreichend belegt. Das gilt für Krebs im Mund- und Rachenraum, für Kehlkopfkrebs und Speiseröhrenkrebs.

In Sorge um das Wein-Image

Im Ergebnis könnten industrielle und auch kleine Weinproduzierende dazu verpflichtet werden, Nährstoffangaben auf ihre Flaschen zu kleben. Diese ursprünglich vorgesehenen Warnhinweise seien dann mit denen auf Zigarettenpackungen und Tabakprodukten vergleichbar, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. Winzerinnen und Winzer hätten sich dazu kritisch geäußert.

"Winzerinnen und Winzer hatten Angst, sie müssten ihre Designs anpassen, der Wein könnte sich schlechter verkaufen und ein negatives Image bekommen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Christine Schneider ist eine Kritikerin dieses Krebsbekämpfungsplans. Sie ist für die CDU in das Europaparlament gewählt worden und kommt aus Rheinland-Pfalz. Sie betont die kulturelle und ökonomische Bedeutung der Weinproduktion.

"Die Weinkultur hat eine jahrtausendlange Tradition in Europa, die unsere Heimatregionen prägt. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich hinter unserer Weinkultur ein ganzer Wirtschafts- und Tourismuszweig verbirgt"
Christine Schneider, Europaparlamentarierin (CDU), EVP-Fraktion

Peter Liese sagt, zwar wolle er niemandem Alkohol als Genussmittel vermiesen, nur solle sich auch niemand einbilden können, dass Alkohol gesundheitsfördernd sei. Der EU-Abgeordnete und Arzt ist ebenfalls für die CDU im Parlament.

"Viel trinken macht ein sehr hohes Risiko, wenig trinken ein sehr geringes. Ich sage mittlerweile als Arzt und Wein- und Biertrinker: Man darf sich nicht einreden, dass es gesundheitsfördernd ist."
Christine Schneider, Europaparlamentarier (CDU), EVP-Fraktion

Bislang sind Getränke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol von der Kennzeichnungspflicht in der EU ausgeschlossen. Es müssen weder die Zutaten verzeichnet noch die Nährwerte ausgewiesen werden. Die Bierbrauereien in Deutschland machen diese Angaben bislang freiwillig. In anderen EU-Mitgliedsstaaten sind Warnhinweise auf alkoholhaltigen Getränken schon seit Jahren üblich.

EU-Kommission entscheidet mit

Die europaweite Warnvorgabe könne dennoch in Zukunft kommen, vermutet Ilka. Gut möglich, dass die Warnhinweise dann in zwei Jahren also doch auf die Weinflaschen gedruckt werden müssen. Die EU-Kommission hat angekündigt, 2023 ihren Entwurf zu präsentieren.

"Die Kommission will nächstes Jahr einen entsprechenden Entwurf vorlegen. Die Warnhinweise sind also nicht komplett ausgeschlossen. Bis es ein Gesetz geben wird, könnte es noch zwei Jahre dauern."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin