Menschen mit Nahtoderfahrungen haben Teile ihres Lebens an sich vorbeiziehen sehen. Neurowissenschaftler aus Israel haben dazu jetzt eine neue Studie veröffentlicht. Was sich derweil im Hirn abspielt, bleibt für die Forscher aber weiter unklar.

Es klingt nach Klischee, aber es ist genau das, was Überlebende von ihren Nahtoderfahrungen berichten: Sie haben ein mysteriöses Licht am Ende des Tunnels gesehen, genauso wie Bilder aus ihrem Leben; völlig unchronologisch aber von meist wichtigen Momenten wie der Hochzeit, Geburtstagen, der Uni oder aus der Kindheit.

"Nicht wie ein Film, eher wie kleine Spots, die vor dem geistigen Auge aufgetaucht sind."
Berichte von Menschen über ihre Nahtoderfahrungen

Die Teilnehmer der Studie berichten davon, dass das, was da vor ihren Augen ablief, sehr realistisch gewesen sei. Nicht vergleichbar mit einem Traum. Manche hätten sogar die Perspektive gewechselt und sich von außen betrachtet. Was alle berichten, ist, dass sich diese Nahtoderlebnisse so stark eingebrannt haben, dass sie nachhaltig ihr Leben verändert haben.

Wissenschaftler rätseln, was sich im Gehirn abspielt

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Nahtoderlebnisse neurologisch erklären lassen. Sie vermuten, dass die Hirnaktivität kurz vor dem Tod noch einmal stark zunimmt. Diese Annahme geht auf Experimente mit Mäusen zurück, bei denen künstlich ein Herzstillstand herbeigeführt wurde. Die Hirnaktivität der Mäuse stieg kurz vor dem Tod noch einmal an. Die Forscher vermuten, dass jene Teile des Gehirns noch besonders lange funktionieren, in denen die Biografie abgespeichert ist.

"Kurz vor dem Tod sind die biografischen Eindrücke die einzigen, die noch da sind. Deshalb werden sie bei Nahtoderfahrungen so krass wahrgenommen."
Matthis Dierkes (DRadio Wissen) über die Vermutung der Forscher über das Entstehen von Nahtoderfahrungen

Was sich genau im Gehirn während eines Nahtoderlebnisses abspielt ist aber noch nicht belegt. Technisch ließe sich das zwar erforschen, die Patienten müssten dann während der Nahtoderfahrung in einen Hirnscanner. Das Problem ist aber: Dazu gibt es meist keine Zeit, da Ärzte in der Regel damit beschäftigt sind, das Leben des Patienten zu retten.