In fünf Minuten kommt der Bus. Allein der Gedanke stresst schon. Noch schnell die Tasche packen, Jacke an und los. Noch drei Minuten. Realistisch braucht man fünf bis zur Haltestelle. Also rennen. Und dann... nichts. Kein Bus. Warten. Irgendwann tauchen zwei trübe Lichter auf.

Der Bus rumpelt an und versetzt einen zurück in die Schulzeit. Immerhin gibt's jetzt Handytickets. Die Verbindung ist zwar langsam, aber erspart wenigstens das nervige Gesuche nach Kleingeld. Der Automat ist eh meistens defekt. Das Polster des einzigen noch freien Sitzplatzes wird raffiniert durch eingesessene Kaugummireste komplettiert. Nein, dann doch lieber stehen.

Geschichten wie diese schreibt der öffentliche Personennahverkehr, kurz ÖPNV, fast jeden Tag. Allein das Wort klingt unsexy. Unsexy und teuer. Dabei wird Bus und Bahn fahren jedes Jahr teurer. Da könnte sich doch eigentlich mal was verbessern? Wofür zahlt man denn sonst die horrenden Ticketpreise?

Nicht mal kostendeckend

Vor allem für den Erhalt des Status quo. Die Lebenshaltungskosten steigen, die Löhne steigen. Gerne werden auch die steigenden Energiekosten ins Feld geführt. Zum Beispiel das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das vor allem Schienenunternehmen mit hohem Energieverbrauch trifft. Also auch U- und Straßenbahnen. Kosten, die auf die Fahrgäste umgelegt werden. Die wiederum können die Veränderungen nicht wahrnehmen, sagt Gregor Kolbe vom Verkehrsclub Deutschland.

"Letztlich muss das Mehr an Geld auch so ausgegeben werden, dass die Fahrgäste davon profitieren. Wenn die Gelder irgendwo versacken, ist das kritisch zu sehen."
Gregor Kolbe über die Transparenz von Preiserhöhungen

Auch die Organisation des ÖPNV ist wenig transparent. Denn Nahverkehr ist Sache der Kommune. Die decken über den Fahrpreis nicht nur Mehraufwendungen für den Nahverkehr. Und während die Städte mit einem immer höheren Fahrgastaufkommen kämpfen, das eigentlich eine Modernisierung der Infrastruktur erfordert, wird in ländlicheren Gegenden der Nahverkehr teilweise eingestellt oder privat organisiert.

"In vielen Städten ist der ÖPNV an der Kapazitätsgrenze. Da geht es um Fragen des Ausbaus. Auf dem Land haben wir die entgegengesetzte Richtung. Dort geht es darum den Status quo zu halten."
Gregor Kolbe über Nahverkehr in städtischen und ländlichen Gebieten

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