Nur wenige Menschen kennen so viele Vor- und Nachnamen wie Gabriele Rodríguez. Sie ist Namenforscherin an der Universität Leipzig und erkundet Städte- und Flüssenamen, Vor- und Nachnamen. Auch so extravagante wie Nothdurft und Fickenwirth.

Gabriele Rodríguez kennt sie alle. Alle üblichen und extravaganten Vornamen. Und von vielen kennt sie die Bedeutung. Sie ist Mitarbeiterin der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig. Dort können sich Menschen ihren Vor- und Nachnamen analysieren lassen. Wo kommt er her? Welche Bedeutung hat er? Wie hat er sich entwickelt?

Besonders beliebt sind derzeit die Vornamen Maximilian, Alexander sowie Sophie und Marie. Rodríguez sagt: Vornamen sind wie Moden. Sie kommen und gehen - und das üblicherweise alle 100 Jahre. So lange ist es her, dass Namen wie Ida, Friedrich und Otto beliebt waren (während Alexander und Marie eher Dauerbrenner sind).

Namensforscherin Gabriele Rodríguez
© Uni Leipzig/Swen Reichhold
Gabriele Rodríguez

Vornamen können auch neu entstehen. Ein Paar hat aus den beiden eigenen Vornamen einen neuen Vornamen für das Kind kreiert. Aus Kerstin und Ron wurde Keron. Bei jedem neuen Namen wird geprüft, etwa ob er das Geschlecht eindeutig identifiziert und ob das Kind mit dem Namen lächerlich gemacht wird. Keron wurde als Jungenname akzeptiert.

Interesse an Namensanalyse steigt

Gabriele Rodríguez berichtet, die Anfragen in der Namenberatung steigen stetig. 1994 hatte sie 100 Anfragen zu Vornamen, 2013 waren es 3000. Das liegt vor allem an ausländischen Namen. Zum einen leben viele Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland, die ausländische Namen vergeben wollen. Zum anderen finden aber auch Deutsche an Namen aus dem Ausland Gefallen, die sie im Netz oder persönlich im Ausland gefunden haben.

Das mache die Frage, ob ein Vorname ein geeigneter Name ist, so schwierig. Der Name des Superhelden "Superman" ähnelt dem indischen "Supraman". Superman ist dadurch aber in Deutschland immer noch nicht als Vorname zugelassen. In Afrika gibt es Regionen, in denen "Fanta" ein üblicher Vorname ist.

"Es gibt Regionen, da sind die Namen Kevin und Chantal völlig normal und keinerlei Grund zur Irritation."
Gabriele Rodríguez

Vornamen haben eine Bedeutung - und die Auswahl ist auch vom Bildungsgrad der Eltern abhängig. Bildungsärmere Eltern würden sich laut Rodríguez eher an den Medien, an Prominenten, Sportlern und Vertreter der High Society orientieren. Gebildetere Menschen wenden sich zurzeit dagegen tendenziell alten, germanischen Namen zu. Trotzdem: Wie ein Vorname angesehen ist, hängt auch immer von der Region ab. So findet sich in manchen Gegenden niemand, der von den Vornamen Kevin und Chantal irritiert ist.

"Auf Parties erzähle ich nicht von meinem Beruf. Sonst muss ich den ganzen Abend Namen analysieren."
Gabriele Rodríguez