Eigentlich sind sich Namibia und Deutschland einig, was die deutschen Verbrechen der Kolonialzeit angeht. Das ausgehandelte Abkommen kommt allerdings nicht durchs Parlament. Ein Erfolg für die Nachkommen der Opfer, findet ARD-Korrespondentin Jana Genth.

Bis heute spüren sie die schweren Verbrechen deutscher Kolonialtruppen im Südwesten Afrikas: Angehörige der Nama und der Herero. Zwischen 1904 und 1908 schlugen Soldaten des Deutschen Kaiserreichs Aufstände der beiden Gruppen brutal nieder und töteten etwa 65.000 Herero und 10.000 Nama. Die Verbrechen der Soldaten gelten als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Einigung im Jahr 2021

Seit 2015 verhandeln die namibische und die deutsche Regierung über Entschädigungszahlungen und eine Entschuldigung Deutschlands für diese Verbrechen. Im Jahr 2021 wurde ein Versöhnungsabkommen ausgehandelt. Bis heute ist es allerdings nicht vom namibischen Parlament ratifiziert worden (Stand 07. April 2022).

"Nama und Herero haben sich da tatsächlich auch durchgesetzt. Und das, obwohl sie das Parlament in Windhoek mehrheitlich aus Ovambo besteht."
Jana Genth, ARD-Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Johannisburg

Die Gegner des Abkommens argumentierten hauptsächlich damit, dass die Zahlungen Deutschlands höher ausfallen müssten, sagt ARD-Korrespondentin Jana Genth. Sie wertet es als einen Erfolg für die Herero und Nama, dass das Parlament dem Abkommen bislang nicht zugestimmt hat.

In dem Abkommen verpflichtet sich Deutschland unter anderem:

  • zur Anerkennung des Völkermords
  • zu einer hochoffiziellen Entschuldigung
  • zur Zahlung von 1,1 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren

Die Forderungen der Vertreterinnen und Vertreter der Nama und der Herero gehen nun darüber hinaus. Beide Gruppen fühlten sich grundsätzlich in Namibia herabgesetzt. Sie leben in Armut, sagt Jana Genth.

"Nama und Herero betonen immer wieder, dass sie sich als Bürger zweiter Klasse sehen."
Jana Genth, ARD-Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Johannisburg

Vertreterinnen und Vertreter beider Gruppen fordern zum Beispiel die stärkere Thematisierung des Völkermords im deutschen Geschichtsunterricht und Verhandlungen über die Rückgabe von Land. Es geht dann um Flächen, die zur Zeit der kolonialen Besatzung geraubt worden sind.

"Herero und Nama geht es auch darum, dass sie Land gerne wiederhätten, das damals geraubt wurde, das eben heute immer noch in den Händen der Nachfahren dieser Täter ist."
Jana Genth, ARD-Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Johannisburg

Sie persönlich habe nun schon bei verschiedenen Sitzungen des Parlaments geglaubt, das Abkommen werden nun ratifiziert, sagt Jana Genth. Sie beschreibt es so: "Termine gab es schon einige. Ich habe viele Parlamentsdebatten verfolgt, weil ich dachte, jetzt ist es soweit."

Unser Bild zeigt den damaligen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Gespräch mit Peter Katjavivi, dem Parlamentspräsidenten der Republik Namibia im August 2019.