Wer gut schläft, fühlt sich am nächsten Morgen fit. Aber wer kann das schon von sich behaupten? Viele werden nachts wach und haben Probleme, wieder einzuschlafen. Entspricht es vielleicht unserem natürlichen Rhythmus in zwei Phasen zu schlafen? Die Forschung ist sich uneinig.

Über das Schlafpensum und den Schlafrhythmus wird quer durch alle wissenschaftlichen Disziplinen gestritten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Durchschlafen denn nun ein neueres Schlafideal ist oder nicht.

Zwei-Phasen-Schlaf

Der amerikanische Historiker Roger Ekirch ist überzeugt: Vor dem industriellen Zeitalter haben Menschen in zwei Phasen geschlafen. Er hat hunderte Quellen aus verschiedensten Kulturkreisen zusammengetragen, die diese These vom sogenannten ersten Schlaf und zweiten Schlaf belegen sollen.

"Es geht darum, den Hauptschlaf aufzuteilen. Erste Phase zum Beispiel ab 19 Uhr für vier Stunden. Dann eine wache Phase, drei bis vier Stunden, dann eine zweite Phase Schlaf vielleicht bis sechs Uhr."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Darin den Schlaf zu teilen, sieht der Historiker allerdings auch die Lösung für alle, die in der Gegenwart an Schlafstörungen leiden. Das Ideal von acht Stunden ununterbrochenem Schlaf, um fit und gesund zu bleiben, findet er problematisch.

Schlafen mit einer Wachphase

Ganz praktisch spricht für die Schlafforscherin Christine Blume kaum etwas für den Zwei-Phasen-Schlaf. Für sie ist er am ehesten noch ein soziokulturelles Phänomen. Sie glaubt eher nicht, dass diese Aufteilung der Schlafenszeit durch eine längere Wachphase bei Schlafschwierigkeiten hilfreich sein kann.

"In der Schlafphysiologie unseres Körpers gibt es keine zwei Phasen. Auch wenn ich das nicht ausschließen kann, denke ich nicht, dass das der Schlüssel zur Heilung von Schlafproblemen wäre."
Christine Blume, Schlafforscherin

Christine Blume weist darauf hin, dass in der ersten Hälfte der Nacht die längsten Tiefschlafzeiten liegen und in der zweiten Hälfte mehr leichterer REM-Schlaf.

Argumente für acht Stunden Schlaf

Zwar verändere sich also die Schlafqualität im Verlauf der Nacht, das bedeute aber nicht, dass wir den Schlaf teilen sollten. Aus Sicht der Schlafforschung spricht einiges eher für rund achtstündiges, möglichst ununterbrochenes Schlafen.

"Leute, die es sich aussuchen können, schlafen sieben bis neun Stunden durch. Klar, man wacht auch auf, das ist normal. 20 bis 30 Mal pro Nacht. Aber daran erinnern wir uns nicht."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zwar sei in den 1990ern in den USA gezeigt worden, dass Menschen in dieses Zwei-Phasen-Muster fallen können, sagt Ilka. Die Bedingungen seien aber recht künstlich gewesen. Die Probandinnen und Probanden waren 14 Stunden in Dunkelheit. Nach vier Wochen hat sich ein Zwei-Phasen-Schlaf eingestellt.

Schlafforscherin Christine Blume vermutet, dass beim Zwei-Phasen-Schlaf am ehesten deswegen Probleme auftreten, weil es schwer fällt am frühen Abend einzuschlafen.

"Wenn man so schläft, wie wir es normalerweise tun, dann haben am Abend die sogenannte Wake-Maintainance-Zone. Das ist so eine Phase, wo wir uns eigentlich sehr schwer tun einzuschlafen."
Christine Blume, Schlafforscherin