Ein Häutchen, das beim ersten Sex durchstoßen wird – diese Erzählung ist Quatsch! Die Idee vom Jungfernhäutchen hat mehr mit alten Moralvorstellungen und Sexismus zu tun als mit biologischen Fakten.

Achtung! Diese Infos sind völliger Blödsinn: "Beim ersten Penetrationssex durchstößt der Mann mit seinem Penis das Jungfernhäutchen der Frau. Dabei kann es bluten, es kann aber auch sein, dass das Jungfernhäutchen vorher schon gerissen ist und dass beim berühmten 'ersten Mal' kein Blut fließt."

So oder so ähnlich haben es wahrscheinlich viele von euch von Teenie-Magazinen, den Eltern oder im Sexualkunde-Unterricht beigebracht bekommen.

Hautkranz statt Jungfernhäutchen

Das stimmt so allerdings ganz und gar nicht. Der Ausgang der Vagina ist nicht wie mit einem Stück Frischhaltefolie verschlossen, das dann bei der ersten Penetration durchstoßen wird.

"Ein Mädchen hat einen ganz anderen Schleimhautkranz, als eine erwachsene Frau, eine Frau, die geboren hat, oder eine alte Frau. Und es gibt gar kein einheitliches Aussehen."
Nora Szász, Gynäkologin

Das, was gerne als "Jungfernhäutchen" bezeichnet wird, ist ein vaginaler Schleimhautkranz, auch Hymen genannt. Dieser verschwindet nicht nach dem ersten penetrativen Sex, sondern frau behält ihn das ganze Leben. Er verändert sich nur mit der Zeit, sagt die Gynäkologin Nora Szász. Der vaginale Schleimhautkranz ist so dehnbar, dass bei einer Geburt sogar ein Kind durchpasst.

"Man kann auch so sagen, das ist wie so ein Gummi, das man in die Haare machen kann, was mit Stoff umzogen ist, was sich auch so kräuselt."
Nora Szász, Gynäkologin

Das Jungfernhäutchen und die damit verbundene Jungfräulichkeit werden von Teilen der Gesellschaft eng mit Moral verknüpft. Mit dem Mythos um dieses ganze Thema räumen die Kulturwissenschaftlerin Oliwia Hälterlein und die Illustratorin Aisha Franz in dem Heft "Das Jungfernhäutchen gibt es nicht" auf. Sie erklären, woher dieser Mythos überhaupt kommt. Und warum die Erzählung von der Entjungferung durch den männlichen Penis total sexistisch ist.

"Wir gehen so ganz klar davon aus, dass die Frau nur in das Sex-Leben eingeführt werden kann, durch diesen lebendigen, magischen Penis."
Oliwia Hälterlein, Kulturwissenschaftlerin

In "Eine Stunde Liebe" sprechen Oliwia und Aisha darüber, warum es allen Geschlechtern nutzt, wenn wir das Thema Jungfräulichkeit entmystifizieren, warum wir lieber ganz viele erste Male haben sollten und warum eigentlich das Menstruationsblut als etwas Schlechtes und das sogenannte "Jungfernblut" als was Gutes wahrgenommen wird.

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