Wasserhahn auf, Glas auffüllen: Selbstverständlich. Zumindest für Menschen in Europa. Seit 2010 gibt es ein Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser - aber die Praxis sieht oft anders aus. Was können wir tun, um Wasser weltweit gerecht zu verteilen?

Ohne Wasser geht gar nichts: Kaum mehr als drei Tage würden wir überleben, ohne zu trinken. Sauberes Wasser ist das wertvollste Gut, das wir auf der Erde haben. Nur verhalten wir uns nicht dementsprechend.

​"Der typische Weltfluss: anärob, stinkend, kaputt und biologisch am Ende."
Martin Grambow, Leiter der Abteilung "Wasserwirtschaft und Bodenschutz" im Bayerischen Staatsministerium für Umweltschutz

Uns hier in Europa geht’s gut: Wasserhahn auf, Glas drunter, Durst gelöscht. Das ist so selbstverständlich für uns, dass wir kaum darüber nachdenken. Für die Mehrheit der Menschheit aber ist das absoluter Luxus. Seit 2010 gibt es ein Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser. Leider nur sieht die Praxis an vielen Orten anders aus: Es fehlt an sanitären Anlagen, Müll wird in Seen und Flüsse gekippt und Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft gelangen ungefiltert ins Grundwasser.

"Wir graben uns derzeit weltweit das Wasser ab. Das ist brandgefährlich, weil Leute ohne Wasser nicht leben können und dann sauer werden", sagt Martin Grambow, Leiter der Abteilung "Wasserwirtschaft und Bodenschutz" im Bayerischen Staatsministerium für Umweltschutz. Was tun? Grambow hat da eine eindeutige Meinung: Wir brauchen mehr staatliche Regulierung.

​"Wenn es ein Menschenrecht auf Wasser gibt, dann gibt es auch ein Menschenrecht auf eine vernünftige Organisation und Verwaltung des Wassers."

"Graben wir uns das Wasser ab? Anmerkungen zum vernünftigen Umgang mit dem Gemeingut Wasser" heißt der Vortrag von Martin Grambow. Er hat ihn am 24. November 2014 gehalten, auf dem Akademientag der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften in München.

Strom aus Wasser

Im zweiten Vortrag geht es um die Frage, ob Strom aus Wasser wirklich umweltfreundlich sein kann. Zerstören Talsperren und Stauseen Landschaften, Flüsse und die darin lebenden Fische? Lassen sich Wasserkraftwerke überhaupt ökologisch verträglich bauen?

​"Wie soll der Fisch innerhalb von zwei Stunden wissen: O, jetzt kommt eine Trockenperiode, o, jetzt kommt Hochwasser?"

Silke Wieprecht ist Professorin am Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung in Stuttgart. Sie erklärt, warum Wasserkraftwerke heute oft große Schäden anrichtet – zum Beispiel beim Fischbestand eines Flusses. Dennoch, sagt sie, sei Wasserkraft eine gute, erneuerbare Energie. Wir müssen nur an den richtigen technischen Lösungen arbeiten, um Umweltschäden zu vermeiden. Silke Wieprechts Vortrag heißt "Wasserkraft – Bedeutung und ökologische Gesichtspunkte". Sie hat ihn beim Akademientag 2014 gehalten, der am 24. November in München stattfand.