Vieles, auf das wir uns jedes Jahr im Sommer besonders freuen, fällt dieses Jahr aus. Das gilt aber nicht für Natur-Phänomene. Jährlich um die Sommerwende lässt sich ein besonders schönes besonders gut beobachten: Leuchtende Nachtwolken.

Die besonderen Wolken tauchen immer zum Sommeranfang über der Arktis auf – die Nasa hat sie dieses Jahr am 17. Mai dort schon entdeckt. In den nächsten Wochen haben wir gute Chancen, sie auch am deutschen Nachthimmel beobachten zu können.

"Am besten sind die leuchtenden Nachtwolken kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang zu sehen. Dann steht die Sonne noch so, dass sie die Wolken anleuchten kann."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Die Nachtwolken leuchten hell-blau, silbrig-weiß oder gelb – und das, obwohl es schon dunkel ist. Das lässt sich am besten kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang beobachten, denn dann steht die Sonne noch so unter dem Horizont, dass sie die Nachtwolken anleuchten kann.

Leuchtende Wolken aus Eis

Normale Wolken hängen maximal 10 Kilometer über der Erdoberfläche in der Troposphäre. Sie bestehen aus Wassertröpfchen. Nachtwolken sind anders: Sie bilden sich an der Grenze zwischen Mesosphäre und Thermosphäre, etwa 80 Kilometer von uns entfernt.

Zum Vergleich: Ist es bei uns im Sommer 30 Grad warm, dann sind es in der Höhe bereits minus 120 Grad. Nachtwolken bestehen aus Eis und können aus diesem Grund zu dieser Zeit besonders gut entstehen.

Staub sorgt für Entstehung

Entscheidend für die Entstehung der Nachtwolken sind zerbröselte Meteoriten in der Mesosphäre. Dadurch entsteht Staub. Wenn es dann im Sommer warm ist, steigt Feuchtigkeit bis in die Mesosphäre. Diese Wassertröpfchen sammeln sich dann an den Staubpartikeln – an der Grenze zur Thermosphäre gefrieren sie schließlich zu Nachtwolken.

"Das Phänomen hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Gründe für diese Veränderungen könnten neue Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Erdatmosphäre insgesamt verändert."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Bekannt ist das Phänomen bereits seit dem 19 Jahrhundert. Aber: In den letzten Jahren hat es sich verändert. Das konnte die Nasa durch eine Forschungsmission feststellen, die sie 2007 gestartet hat.

Neu ist: im vorigen Jahr sind die Nachtwolken in den USA so weit südlich gewandert wie noch nie – bis nach Südkalifornien. Das liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Nordafrika. Außerdem gab es dieses Jahr den zweitfrühesten Saisonstart auf der Nordhalbkugel. Warum das so ist, ist noch unklar. Die Nasa vermutet, dass sich durch weitere Untersuchungen der Nachtwolken auch Rückschlüsse ziehen lassen, inwiefern sich die Erdatmosphäre insgesamt verändert.