Hunderttausende Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht – und damit auch ihre Ökosysteme. Bei der aktuellen UN-Weltnaturkonferenz sollen Lösungen gefunden werden.

Es geht um die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken oder auch den Acker, auf dem unsere Lebensmittel wachsen: Sie alle sind Teil der Biodiversität. Sie alle sind voneinander abhängig, bauen aufeinander auf.

Ähnlich wie das Klima erlebt allerdings auch die Biodiversität eine Krise. Weltweit sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Davor warnt der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Vor allem schreitet der Biodiversitätsverlust mit einer extremen Geschwindigkeit voran: Das aktuelle Tempo ist hundert- bis tausendmal schneller als die bisherige natürliche Wandlungsrate der Natur.

Vom Aussterben bedroht: eine Million Tier- und Pflanzenarten

In Montreal findet deswegen vom 6. bis 19. Dezember die 15. Weltnaturkonfernz der Vereinten Nationen (UN) statt. Das Ziel: Ein Weltnaturabkommen im Stil des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015, mit dem sich alle Staaten weltweit zu verbindlichen Zielen verpflichten. Und zusätzlich klare Indikatoren ausarbeiten, wann ein Ziel als erreicht gilt.

Schutz der Biodiversität ist auch Klimaschutz

Eine zentrale Forderung ist zum Beispiel, den weltweiten Anteil der Schutzgebiete an Land und im Meer auf jeweils 30 Prozent auszuweiten. Bisher sind 17 Prozent der Landflächen und 7 Prozent der Meeresgebiete unter Naturschutz gestellt.

Mehr Schutzgebiete würden nicht nur den Tier- und Pflanzenarten zugutekommen, sondern auch dem Klimaschutz. Denn: Ökosysteme wie Meere und Moore sind wichtige CO2-Speicher, erklärt Jule Reimer aus der Dlf-Umweltredaktion, sie können die Klimaerwärmung abfedern. Dafür müssen sie aber intakt sein – und das ist aktuell das große Problem.

"Die Biodiversitäts- und Klimakrise sind Zwillingskrisen."
Jule Reimer, Dlf-Umweltredaktion

Es geht um das große Ganze

Intensive Landwirtschaft, Bergbau und Umweltverschmutzung wie Plastikmüll bedrohen die Biodiversität massiv. Biodiversität ist allerdings die Grundlage dafür, wie wir leben. Denn: Viele Arten können nur zusammen mit ihrem Ökosystem überleben.

Die Feldlerche zum Beispiel steht mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wenn es allerdings weniger von ihr gibt, frisst sie auch weniger Insekten, die für den Ackerbau schädlich sind. Als Folge müssen Landwirt*innen mehr Pflanzenschutzmittel einsetzen, die wiederum anderen Tieren und Pflanzen schaden können, wenn sie in die Gewässer kommen.

"Es geht um die Öko-Dienstleistungen der Natur. Wenn die ausfallen, kriegen wir ein Riesenproblem", sagt Jule Reimer. Die Weltnaturkonferenz blickt also auf das große Ganze weniger auf einzelne Tier- oder Pflanzenarten.

Für einen Erfolg der Weltnaturkonferenz könnte sorgen, wenn die Staaten bei der aktuellen Konferenz – neben den Zielen – klare Indikatoren festlegen, die die Umsetzung der Ziele messbar machen. Das haben die beteiligten Staaten bei der vergangenen Weltnaturkonferenz 2010 nicht getan.

Unser Bild zeigt eine Feldlerche. Sie ist vom Aussterben bedroht.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesrächspartnerin:  Jule Reimer, Dlf-Umweltredaktion