Die Navi-App What3Words übersetzt GPS-Koordinaten in drei Wörter - und will so die Adresse neu erfinden. Unser Reporter hat sie getestet. 

Unser Reporter Christian Erll ist auf dem Weg zum Musikfestival Haldern Pop und testet die neue App What3Words. Denn hier auf dem Gelände ist die ideale Umgebung, um herauszufinden, ob das Navi ihm den Weg zu seiner Haldern-Community weist. Denn Adressen gibt es auf dem Campingplatz nicht. 

App funktioniert nicht immer einwandfrei

Freundin Maleen übermittelt die Koordinaten: Sie lauten Ferner.Nannten.Segelschiff. Klar, Maleen hätte den Standort auch per Messenger teilen können. Die Koordinaten lauten 51, 766767 und 6, 472501. Aber solche Zahlenkolonnen sind natürlich schwer zu behalten. Deshalb wandelt What3Words die 16-stelligen GPS-Koordinaten einfach in drei Wörter um. So sollen sie sich Anwender leichter merken können, sagt Mitbegründer Chris Sheldrick. 

"What we wanted to do, was to make that process easier."
Chris Sheldrick, Mitbegründer von What3Words

Eine Stunde später fährt Reporter Christian auf die Campingwiese in Haldern. Und findet seine Leute nicht. Denn der besagte Platz liegt einen Kilometer vom Campingplatz entfernt. Und auch die Alternativangabe "Selbst.Zuständigkeit.Ölwanne" funktioniert nicht. Weil er zwischen Zelten und Autos den Weg zum angegebenen Ort nicht finden kann. Am Ende findet Christian seine Leute per Anruf. 

Screenshots der App (links und rechts) und Haldernbesucherin (mitte)
© Deutschlandfunk Nova | Christian Erll , dpa
Screenshots der App (links und rechts) und Haldernbesucherin (Mitte)

Hilfreicher hätte What3words auf Christians Georgienreise vergangenen Oktober sein können. In Georgien ist es wegen der komplett eigenen Sprache und Schrift wirklich schwer, festzustellen, an welcher Straßenecke man gerade ist. Offline-Karten-Apps wie navmii oder pocketearth, die What3words integriert haben, hätten die ein oder andere schwierige Suche nach einer Unterkunft abgekürzt, sagt Christian. 

What3words könnte für berufliche Einsätze relevant werden

Auch Menschen, die beruflich mit der Suche nach Orten konfrontiert sind, soll What3words helfen, sagen die Macher. So stünden Rettungskräfte oft vor Problemen, wenn ihnen GPS-Koordinaten mündlich übermittelt werden, bestätigt Mirko Friedrich von der Bergwacht Schwarzwald. Dreiwortadressen könnten hier weniger fehleranfällig sein. 

"Der Vorteil ist, dass man wirklich verwechslungsfrei die Informationen weitergeben kann. Wenn man drei völlig unabhängig voneinander aufbauende Worte übermittelt, hat man keine Zahlendreher drin."
Mirko Friedrich, Bergwacht Schwarzwald

Aber auch bei What3Words gibt es ähnlich klingende Wortkombinationen für verschiedene Adressquadrate. Verwechslungen sollen zwar verhindert werden, indem ähnliche Wortkombinationen möglichst weit über die Welt verteilt liegen. Dennoch ist es in der Anwendung schwierig. Zum Beispiel wenn die Bergwacht zu einem Verletzten geführt werden soll. Sagt der Hilferufende beispielsweise versehentlich "ausbilden.handelt.vorzutragen" statt "auszubilden.handelt.vortragen", liegt das Ergebnis in Peru. Zwar werden die Retter wissen, dass der Verunglückte nicht in Peru liegen kann, dennoch besteht die Gefahr, dass dem Hilferufenden die richtige Wortkombination nicht mehr einfällt. 

Links: Screenshot der App. Rechts: Bergretter der Bergwacht üben am 19.12.2016 auf dem Feldberg im Schwarzwald (Baden-Württemberg) die Rettung einer verletzten Person, die an einem Abhang abgestürzt war. Die Bergwacht in Baden-Württemberg sieht sich nach erfolgreichen Finanzverhandlungen mit dem Land für die Wintersaison gut gerüstet. Foto: Patrick Seeger/dpa
© Deutschlandfunk Nova | Christian Erll , dpa
Screenshot der App mit Angabe eines Ortes im Schwarzwald (links), Übung der Retter der Bergwacht Schwarzwald (rechts)

Krtiker bemängeln Intransparenz

Kritiker bemängeln auch, dass nicht klar sei, nach welchem Prinzip eigentlich die Wörter für die Quadratadressen kombiniert werden. Konkurrenzsysteme zu What3words gibt es zwar auch, aber weil die auch nicht einfacher sind, hofft Chris Sheldrick, dass seine Drei-Wörter-Idee irgendwann weltweit auf allen Geräten genutzt wird. 

Behörden in Ländern mit schlechter Adressierung nutzen die "Dreiwortadressen" schon. Zum Beispiel die Post in Nigeria und der Mongolei. Auch Deutsche Unternehmen wie Mercedes und die Deutsche Bahn haben sich in What3words eingekauft. Wo sich das System durchsetzen wird und wo nicht, wird wohl von den Vor- und Nachteilen im jeweiligen Einsatzgebiet abhängen, schätzt Mirko Friedrich von der Bergwacht.

"Also, ich glaube, dass der Handlingsfaktor oder die alltäglichen Gebrauchsmöglichkeiten entscheidend sind, auf was man sich nachher einigt."
Mirko Friedrich, Bergwacht Schwarzwald

Und eines ist klar: Egal, ob Taxi, Lieferdrohne oder Rettungshubschrauber – hinter den drei Wörtern arbeitet weiter eine Technik mit Zahlen. Und die heißt bis auf Weiteres GPS.