Finnen nerven. Sie sind die Streber Europas: Bestes Schulsystem, beste PISA-Ergebnisse und sie haben sogar die kürzesten Reaktionszeiten. Aber: Schlauer werden sie nicht. Trifft das auch auf den Rest Europas zu - werden wir immer dümmer? 

Seit Forscher regelmäßig den Intelligenzquotienten (IQ) in verschiedenen Gesellschaften messen, ist dieser kontinuierlich gestiegen. Um knapp drei Punkte stieg der IQ alle zehn Jahre an. Diese positive Entwicklung hat erstmals der neuseeländische Psychologe James Flynn festgestellt. Dass wir alle immer schlauer werden, wird deshalb als Flynn-Effekt bezeichnet. 

Besonders Frauen werden schlauer

Für diese Untersuchung sind Daten aus den skandinavischen Ländern besonders wichtig: Da machen die Wehrpflichtigen nicht nur die Grundausbildung, sie müssen auch zu einem IQ-Test antreten. Das freut die Forscher, denn so konnten sie diesen positiven Trend nachweisen, inzwischen auch in anderen europäischen Ländern und übrigens besonders stark bei Frauen.

"Bessere Ernährung, bessere medizinische Versorgung, vor allem aber eine immer umfassendere Schulbildung. All diese Faktoren sorgen dafür, dass Kinder ihr intellektuelles Potenzial ausschöpfen können."
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

Es gibt positive gesellschaftliche Entwicklungen, die den IQ seit dem Zweiten Weltkrieg steigen lassen. Und weil Frauen früher stärker benachteiligt waren, profitieren sie auch mehr von den neuen Möglichkeiten. Vielleicht hat sogar das Netz einen positiven Effekt: Wenn wir surfen, trainieren wir Fähigkeiten, die auch im IQ-Test gefragt sind. 

Seit Ende der 90er Rückgang des IQs

Doch seit gut 20 Jahren sieht es gar nicht mehr so rosig aus. Die Rekruten in Skandinavien und Finnland schneiden wieder etwas schlechter ab. Und das rechnen manche Forscher zu einer deprimierenden Zukunft hoch: Die Menschheit verdummt! 

"Mein Smartphone spricht mit mir, es gibt Quantencomputer – also die Innovationen gehen weiter, IQ-Anstieg hin oder her.​"
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

Für Panik ist es allerdings zu früh. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Volkart Wildermuth hat von dem Psychologen Tom Teasdale aus Kopenhagen erfahren, dass der IQ-Wert ein wenig absackt. Aber einen lang dauernden Abwärtstrend gibt's nicht. 

Dass es überhaupt bergab geht, dafür gibt's einige Theorien:

  • Skandinavien fördert die Kinder schon optimal. Mehr ist aus den Köpfen nicht rauszuholen. Länder wie Deutschland haben aber noch Luft nach oben und die Chance aufzuholen. 
  • Pestizide und andere Umweltchemikalien belasten uns zu sehr. 
  • Es ist die Genetik: Seit der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts bekommen Menschen mit höherem IQ im Durchschnitt weniger Kinder. Und könnte dazu führen, dass sozusagen kluge Gene in der Bevölkerung seltener werden. 

Die Klugen sterben aus, diese Angst geht öfter um – bestätigt hat sie sich bisher aber nicht. Und ein hoher IQ ist auch nicht alles, das zeigen die Finnen. Die schneiden in allen Pisa-Studien super ab, haben aber die niedrigste Zahl an Nobelpreisträgern. Intelligenz ist also eine wichtige Basis, aber lange noch nicht alles.