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Der Druck auf Medien wächst, die Herkunft von Tatverdächtigen zu nennen. Eine Analyse zeigt: Viele Medien kommen dem nach - allerdings vor allem, wenn es sich nicht um Deutsche handelt. Das Problem: Dabei entsteht ein falscher Eindruck von der Wirklichkeit.

Soll die Herkunft von Tatverdächtigen genannt werden, oder nicht? Vor der Kölner Silvesternacht 2015/2016 spielte diese Frage kaum eine Rolle. Seitdem sind immer mehr Stimmen zu hören, die Medien vorwerfen, wie würden die Herkunft von Tatverdächtigen bewusst verschweigen.

Herkunft von Tatverdächtigen spielt immer größere Rolle

Journalismus-Professor Thomas Hestermann hat für den Mediendienst Integration eine Analyse erstellt: In der Berichterstattung über Gewaltdelikte spielt die Herkunft eine immer stärkere Rolle. Vor zwei Jahren hat jeder sechste Fernsehbeitrag die Herkunft erwähnt, heute ist es jeder dritte. In Zeitungsartikeln wird noch häufiger die Herkunft genannt - und zwar bei jedem zweiten Beitrag.

Umkehrung der Verhältnisse

In der medialen Berichterstattung kehren sich die Erkenntnisse der Polizei komplett um, sagt Thomas Hestermann. Laut polizeilicher Kriminalstatistik waren 2018 etwa 69 Prozent aller Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten Deutsche und rund 31 Prozent Nichtdeutsche, berichtet der Journalismus-Professor.

"Die Berichterstattung kehrt die Erkenntnisse der Polizei komplett um: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik waren 2018 etwa 69 Prozent aller Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten Deutsche und rund 31 Prozent Nichtdeutsche."
Thomas Hestermann, Professor für Journalismus

"In aktuellen Fernsehberichten hingegen werden nur etwa 3 Prozent aller Tatverdächtigen als Deutsche erkennbar und 28 Prozent als Nichtdeutsche. In Zeitungsberichten sind Ausländer mit 41 Prozent gegenüber 3 Prozent deutschen Tatverdächtigen noch stärker überrepräsentiert," sagt Journalismus-Professor.

Ultralativ-Medienkritik auf Youtube

Fynn Kröger betreibt auf Youtube den Kanal Ultralativ, einen medienkritischen Kanal rund um Youtube und andere Social-Media-Phänomen. Die Videos sind leicht konsumierbar, haben aber keine Scheu vor komplexen Problemen der Medienwelt. Ein Thema: "Tiktok und die moderne Zensur".

"Eine Stunde Was mit Medien" im Netz

Die Sendung gibt es auch als Podcast. Abonniert "Was mit Medien" via iTunes oder RSS-Feed. Auch nach der Sendung könnt ihr mit uns direkt und mit unseren Moderatoren Daniel Fiene und Herrn Pähler über Twitter kommunizieren. Ein Protokoll der Sendung gibt es auch per Newsletter.