Der Handel mit Mädchen aus Nepal boomt seit Jahren. Nach dem Erdbeben haben die Verschleppungen aber noch einmal zugenommen. DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler hat sich in den größten Rotlichtszenen Indiens umgesehn.

Shanti freute sich sehr, als ihr ein Mann einen gut bezahlten Job als Näherin anbot. Misstrauisch war sie nicht. Um die Mädchen nach Indien zu verkaufen, konzentrieren sich die Menschenhändler in Nepal vor allem auf entlegene Dörfer. Dort sind die Menschen besonders arm. Schulen gibt es kaum. Von Zwangsprostitution haben die Dorfbewohner selten gehört. Genau so lief es bei Shanti, die aus einem Dorf im Kathmandu-Tal stammt.

Misstrauisch war Shanti nicht

Den Mädchen machen sie große Versprechungen. Einen Job oder die Ehe. Anderthalb Jahre wurde Shanti zur Prostitution gezwungen. Inzwischen ist sie befreit und hat DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler von ihren schrecklichen Erlebnissen erzählt.

"Ich konnte sehen, dass die Frauen und Mädchen Schlimmes erlebt haben, konnte ihre Verletzungen spüren."
DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler

Wenn sie nicht gehorchte, drohten die Bordellbetreiber damit Shantis Familie umzubringen. So haben sie das Mädchen gebrochen. Leider ist das kein Einzelfall. Offiziell ist Kinderprostitution in Indien zwar verboten, aber die Nachfrage ist groß und dadurch ist es ein lukratives Geschäft für Schlepper und Bordellbetreiber. Den jungen Mädchen werden Kuhhormone gespritzt, damit ihre Brüste schneller wachsen.

"Als der erste Freier kam, verweigerte sich Shanti. Da schlug der Mann sie mit einem Kabel.
DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler

"Ich war in Rotlichtvierteln in Mumbai, Delhi, Agra und Pune und es hat mich dort wirklich geschüttelt. In den meisten Bordellen sind die Fenster zugebaut", berichtet Simone Utler von ihrer Reise. Es sind rund 12.000 Mädchen und Frauen schätzt Maiti Nepal, die führende nepalesische Organisation im Kampf gegen Mädchenhandel und Zwangsprostitution. Sie führt mit Unicef an Grenzen nach Indien verstärkt Kontrollen durch.

Allein diese beiden Organisationen haben zusammen mit der Polizei seit dem Beben rund 300 Mädchen abfangen. Shanti ist bei Maiti Nepal in einem Frauenhaus untergekommen. Dort werden die Mädchen psychologisch betreut, gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Das ist ihre Chance, sich ein neues Leben aufzubauen.