Angeblich verlieren Netflix, Amazon und andere Streaming-Anbieter viel Geld durch Schwarzgucken. Obwohl sie es könnten, unterbinden sie das nicht. Warum eigentlich?

Kürzlich hat eine Umfrage ergeben, dass Netflix, Amazon, Sky und Co. jeden Monat viele Millionen Euro durch Schwarzseher verlieren – also durch Menschen, die von anderen unberechtigterweise die Zugangsdaten für die Dienste bekommen.

Warum unterbinden die Dienste das nicht? Denn technisch wäre es möglich. "Die Streaminganbieter haben viele Daten über den Kunden. Und sie wissen, was er gerne schaut", sagt Daniel Herbig von Heise Online.

"Die Streaming-Dienste haben kein Interesse an einem Shitstorm, wenn sie fälschlicherweise einen Account sperren."
Daniel Herbig, Heise Online

Wenn der Account-Besitzer zum Beispiel eigentlich nur Thriller-Filme und Fantasy-Serien guckt und plötzlich immer Liebesfilme geguckt werden, dann könnte der Anbieter recht leicht darauf schließen, dass da eine andere Person eingeloggt ist.

Zusammen mit anderen Kriterien wie IP-Adresse, Gerät, Ort des Einloggens etc. ergibt sich eine ziemlich sichere Aussage darüber, ob da gerade eine fremde Person den Account benutzt.

Sky und Spotify erlauben nicht alles

Trotz dieser technischen Möglichkeit ist nicht bekannt, dass Netflix, Amazon Video und Hulu das Schwarzgucken unterbinden würden. Daniel Herbig: "Sie haben kein Interesse daran, sich einen Shitstorm einzufangen, indem sie fälschlicherweise einen Account sperren."

Dann wäre tatsächlich negative Berichterstattung garantiert – wenn ein regulär Zahlender aufgrund einer falschen technischen Auswertung seinen Account nicht mehr benutzen könnte. Auch würden durch technische Restriktionen viele Menschen vergrault – die Schwarzgucker und womöglich auch diejenigen, die die Zugangsdaten teilen. Am Ende geht es auch ums Image.

Sky hat immerhin eine kleine Hürde eingebaut: Da lässt sich pro Account (einer bestimmten Art) nur ein Stream starten. Ähnlich läuft das bei Spotify, auch hier gilt: nur ein Stream pro Single-Account. 

Das bedeutet immer noch nicht, dass man die Zugangsdaten an Freunde und Bekannte nicht weitergeben kann – es heißt nur, dass mehrere Personen mit denselben Account-Daten nicht gleichzeitig gucken oder hören können.