Die Straße, in der Netzbastler Moritz Metz lebt, wurde vor nicht allzu langer Zeit asphaltiert. Das alte Kopfsteinpflaster musste weichen. Moritz findet, dass die Autos jetzt zu schnell fahren. Um das zu beweisen und der Lokalpolitik Argumente zu liefern, hat er eine Radarpistole gebastelt.

Alle 8 Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch aufgrund erhöhter Geschwindigkeiten, sagt das Statistische Bundesamt. Dabei vervielfacht sich bei Kollisionen mit Fußgängern die Todeswahrscheinlichkeit, wenn ein Auto 50 statt 30 Kilometer pro Stunde fährt. In 30er-Zonen wirklich auch nur 30 km/h zu fahren, das sollte für Autofahrer selbstverständlich sein; ist es aber nicht. Zumindest nicht in der Berliner Wohnstraße unseres Netzbastel-Reporters Moritz Metz.

Lokalaktivismus mit Daten

Über 300.000 Euro hatte der Bezirk Neukölln hier 2018 zur "Verbesserung des Radverkehrs" investiert, um – statt altehrwürdigem Kopfsteinpflaster – eine glatte Fahrbahn zu asphaltieren. "Dabei wurde aber nicht darauf geachtet, die Straße wirklich fahrradfreundlich zu gestalten – im Gegenteil", kritisiert Moritz. Mit einer Kamera-basierten App hat er die Geschwindigkeiten von über 1500 Fahrten unter seinem Balkon gemessen. Einmal vor, und einmal nach der Asphaltierung.

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Die iOS-App "SpeedClock" erfasst Geschwindigkeiten per Kamera. Mit "Speed Gun", "Speed Radar CAM" und "Speed Camera" gibt es ähnliche Apps auch für Android und den Rasperry Pi.

Gefährung durch Erneuerung

Laut Moritz' App-Messungen rasen die Autos auf der neuen Fahrbahn 15 Prozent schneller als zuvor – mit einer bereits überhöhten Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 Km/h. Unter dem Twitter-Hashtag #Friedelspeed hat Moritz versucht, die Lokalpolitik davon zu überzeugen, den Verkehr im Wohngebiet selbst zu messen, um vor allem die Straße für Fahrradfahrende sicherer zu machen. Seit Längerem will der Bezirk Gelder für eine Studie der Verkehrslage im Kiez beantragen – "eine gute Maßnahme, die jedoch Jahre dauern kann", wie Moritz befürchtet.

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DIY-Radarpistole für alle

Weil seine Kamera-basierten App-Messungen nur bei Helligkeit funktionieren, aber nachts scheinbar noch mehr gerast wird, tüftelt Moritz in dieser Netzbastel-Ausgabe an einer günstigen DIY-Radarpistole, die direktionale Radarwellen ausstrahlt. Anhand von Dopplereffekt-Frequenzverschiebungen in Radarwellen-Reflektionen kann ein kleiner Mikrocontroller die Geschwindigkeit eines herannahenden Objektes erstaunlich präzise berechnen.

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Mehrere Radarsensoren und die Vorverstärker-Schaltung, gelötet von Georg Werner aus dem Netzbastel-Kompetenzteam.

Die Komponenten, darunter der Radarsensor CDM324, ein Arduino Nano, sowie Kleinteile zum Bau eines nötigen Vorverstärkers (hier gelötet von Georg Werner aus dem Netzbastel-Team), kosten weniger als 20 Euro im Netz – außer man erspart sich das Löten des Vorverstärkers anhand verschiedener Schaltpläne und kauft einen fertigen Preamp. Diverse Beispiel-Codes für die Geschwindigkeitsmessung mit Arduino finden sich dann ebenso im Netz, wie ein Projekt für den Raspberry Pi. Wie gut die Radarpistole funktioniert, das probiert Moritz in Netzbasteln-Ausgabe 132.