Eine neue Unesco-Studie kommt zu dem Schluss, dass einige Computerspiele uns sogar zu besseren Menschen machen können. Und zwar, weil sie uns helfen, empathischer zu werden und die Welt um uns herum zu verstehen.

Es geht in dem Unesco-Papier um sogenannte Serious Games - Computerspiele, bei denen wir etwas lernen können. Die Studie untersucht, inwieweit solche Spiele zur Völkerverständigung beitragen können. Trauriger Fakt ist, dass zum Beispiel allein im Jahr 2014 rund 180.000 Menschen weltweit in 42 Konflikten gestorben sind.

Videospiele können zwar weder Weltanschauungen noch die menschliche Natur ändern, aber sie können Menschen dabei helfen, weniger vorurteilsbeladen zu sein und empathischer zu werden. Das wiederum können sich Institutionen, wie zum Beispiel die Unesco, zu Nutze machen. Das sagt zumindest der Autor des Unesco-Papers Paul Darvasi. Er ist Lehrer am Royal St George's College in Toronto.

Empathie ist, sich in den Gegner hineinzuversetzen

In der Literatur über Konfliktlösung ist der zentrale Punkt meist, dass die gegnerischen Parteien lernen, sich in die Perspektive eines anderen zu versetzen.

"Da kommen die Serious Games ins Spiel. Denn dort lernst du als Spieler genau das. Und das ändert die eigene Perspektive weitaus stärker, als Nachrichten über einen Konflikt einfach nur zu hören oder zu sehen."
Martina Schulte, DRadio Wissen Netzreporterin

Deshalb wollen die UN das spielbasierte Lernen mehr fördern. Um zu zeigen, wie das gehen kann, nennt das Unesco-Papier beispielhaft einige Serious Games, die das schon schaffen. "Peacemaker" ist zum Beispiel so ein Spiel. Darin nimmt der Spieler entweder die Rolle des israelischen Premierministers ein, oder die des Palästinenser-Präsidenten. In jedem Fall muss er dann eine Zwei-Staaten-Lösung erreichen.

"Die Spieler müssen bei "Peacemaker" über die Bedürfnisse ihrer eigenen Bürger genau so nachdenken, wie über die Geisteshaltung und die Lebensumstände ihres Gegenübers."
Paul Darvasi, Autor der Serious-Games-Studie

"Hush" ist ein anderes Spiel, das Paul Darvasi empfiehlt, auch wenn es darin um eine wirklich harte Situation geht: Der Spieler nimmt die Rolle einer Tutsi-Mutter in Ruanda ein und muss im Spiel sein Kind ruhig halten, um zu vermeiden, dass er entdeckt und ermordet wird.

Ein anderes empfohlenes Spiel ist "1979 Revolution: Black Friday". In dem Game schlüpft man in die Rolle eines Fotojournalisten der 1979 über den Umsturz im Iran und den Sturz des Schahs berichtet. Paul Darvasi findet das Spiel geeignet zum Konfliktlösungs-Training, weil es im Mittleren Osten spielt, also einer sehr krisengeschüttelten Region. Und er empfiehlt es, weil man als Spieler schwierige moralische Entscheidungen treffen muss.

Von der Studie zur Praxis

Das Spiele-Entwickler-Magazin Gamasutra berichtet, das in diesem Monat zum ersten Mal Spieleentwickler aus dem Südsudan beim Global Game Jam mitgemacht haben. Das ist der größte Jam von Spieleentwicklern der Welt. Rund um den Globus treffen sie sich an hunderten von Orten, um dann gemeinsam und übers Netz neue Spiele zu kreieren.

Die Entwickler aus dem Bürgerkriegs-Land Südsudan haben es als ihr Ziel angekündigt, mit ihrem Spieldesign Frieden und Wohlstand zu schaffen. Auch in Kenia nutzen Friedensstifter des Nairobi Play Projects, das von der UN gefördert wird, Spiele-Entwicklungsworkshops, um den Kids beizubringen, wie man zusammen arbeitet.

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