Skater und Skatspieler haben auf den ersten Blick außer ein paar Buchstaben nicht viel gemeinsam. In der DDR hatte das Skateboard eine sehr kleine, das Skatspiel eine enorme Fan-Gemeinde. Regierung und Partei taten sich jedoch mit beiden Beschäftigungen schwer. Was möglich war, auf dem Rollbrett, am Kartentisch und auch bei Pionierspielen, das erforschen der Sportwissenschaftler Kai Reinhart, die Kulturwissenschaftlerin Sabine Stach und die Geschichtswissenschaftlerin Juliane Brauer.

Skaten war ein Trendsport. Von den USA schwappte das Rollbrett in den 70er Jahren zuerst nach Westeuropa rüber und dann in den Ostblock. Ein Zeitzeuge berichtet von einer "kleinen Suchterscheinung". Die DDR-Szene war mit 200 bis 300 Mitgliedern klein und vor allem in Ost-Berlin, Dresden und Leipzig daheim.

"Es war Anfang der 1980er Jahre, als in Dresden erste Kids auf den Straßen und Höfen ihrer Nachbarschaft anfingen, mit rollenden Brettern zu experimentieren."
Kai Reinhart, WWU Münster

Kai Reinhart hat Zeitzeugen befragt und zahlreiche Erinnerungen an die Skate-Kultur Ost zusammengetragen. Er zeichnet nach, wie der Sport einerseits kritisch beäugt wurde und andererseits eingehegt und in offizielle Verbände eingegliedert werden sollte. Mitte der 1980er Jahre kam mit dem "Germina Speeder" sogar das erste offizielle Skateboard aus DDR-Produktion auf den Markt.

Skat - sehr beliebt, aber nicht wohl gelitten

Weitaus größer war in der DDR die Anzahl der Menschen, die begeistert Skat gespielt hat – auch die Kulturwissenschaftlerin Sabine Stach gehörte dazu. Jede(r) Dritte hat in der DDR Skat gespielt, laut der Zeitung "Die neue Zeit". Wohl gelitten war das Spiel aber trotzdem nicht bei Regierung und Partei. Der Verdacht: Beim Skat wurde mitunter gezecht, womöglich sogar um Geld gespielt!

"Tatsächlich standen Staat und Partei dem Skatspielen eher ambivalent gegenüber."
Sabine Stach, Deutsches Historisches Institut Warschau

Ein Skatverband durfte sich nicht gründen, obwohl Skat-Turniere enormen Zulauf hatten und mit Altenburg die Stadt, in der das Spiel erfunden und die Karten produziert wurden, in der Deutschen Demokratischen Republik lag.

Gespielt wurde natürlich auch schon viel früher, im Kindesalter. In der Jugendorganisation der Pioniere waren Reisespiele sehr beliebt. Welche Reisen waren (im Spiel) möglich, welche Grenzen waren dicht? In welche Welten konnten Kinder und Jugendliche seit den 1950er Jahren spielen und welche erzieherischen Ziele hatten diese Spiele?

"Gerade die Weltraumreisen schienen besonders geeignet, Einbildungskraft und Kreativität der Heranwachsenden zu beflügeln."
Juliane Brauer, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin

Alle drei Vorträge stammen von der Tagung "Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen: Politik und Praktiken des Spielens im Staatssozialismus", die im Dezember 2019 am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin veranstaltet wurde. Dort sprachen am 5. Dezember 2019 Kai Reinhart unter dem Titel "'Oben hinstellen, runterbrettern, was das Zeug hält'. Skateboarden in Dresden (1980-1990)", Sabine Stach unter dem Titel "Zwischen Glücksspiel, Sport und deutscher Einheit. Skatspielen in der DDR" und Juliane Brauer unter dem Titel "Spielend erziehen. Kinderspiele für die Pioniere".