Das Jahr ist fast vorbei – für viele Anlass, über einen neuen Job nachzudenken. Guter Zeitpunkt: Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gab es dieses Jahr nämlich so viele offene Stellen wie nie! Wenn ihr was Neues sucht, solltet ihr aber auch eine gute Bewerbung schreiben können, denn ihr seid ja nicht die einzigen. So geht's.

Es fängt schon mit der Anrede an, erklärt unsere Reporterin Ilka Knigge: Mit der Standardfloskel "Sehr geehrte Damen und Herren" hebt ihr euch nun wirklich nicht ab. Sich die – meist sehr geringe – Mühe zu machen, die richtige Ansprechperson herauszufinden, gehört zu einer guten Bewerbung dazu. Das setzen Personalabteilungen auch voraus, egal ob bei digitalen oder postalischen Bewerbungen, sagt Ilka.

"Sich die Mühe zu machen, die richtige Ansprechperson herauszufinden, gehört dazu."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Natürlich solltet ihr die entsprechende Ausschreibung auch sehr genau lesen und entsprechend gezielt darauf reagieren – heißt, euch in dieser Welt bewegen: Wenn in einer bestimmten Branche zum Beispiel direkt geduzt wird und das auch in der Ausschreibung so ist, könnt ihr das aufnehmen.

Ihr seid unsicher? Dann könnt ihr einfach in der Personalabteilung anrufen und die richtige Ansprechpersonen und die im Unternehmen übliche Anrede erfragen, rät unsere Reporterin. Das ist völlig in Ordnung!

Bewerbung: Der schwere erste Satz

Schritt eins ist als geschafft, wie aber nun konkret anfangen? Ihr solltet eher nicht mit "Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle XY..." oder "Mit Freude habe ich die Ausschreibung gelesen..." beginnen. Lasst das weg, sagt unsere Reporterin.

Besser, ihr startet direkt damit, warum genau ihr so gut zu dem Job passt. Darum geht es ja nun mal – und das Wichtigste kann ganz nach vorne. Die Begründung muss auch weder superkreativ noch (gewollt) witzig sein, sondern am besten einfach ehrlich und gerade heraus auf den Punkt.

"Eine gute Idee kann es sein, eine emotionale Botschaft rüberzubringen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Dabei solltet ihr auf jeden Fall darüber hinaus gehen, nur euren Lebenslauf zu referieren – den können die Adressat*innen eurer Bewerbung ja schließlich selbst lesen. Dafür müsst ihr sie aber erst mal interessieren. Wie? Eine gute Idee kann es sein, eine emotionale Botschaft rüberzubringen, rät Ilka Knigge.

Struktur und Prägnanz helfen

Bevor ihr losschreibt, könnt ihr euch erst mal Notizen machen. Aus denen sollten dann – in einer logischen Reihenfolge und mit klarer Argumentation – kurze prägnante Sätze werden. Auf "hätte" und "würde" solltet ihr eher verzichten, sagt Ilka. Oft nutzen Personaler*innen die Anschreiben nämlich auch, um zu schauen, ob die Kandidat*innen sich gut ausdrücken können.

Das Problem: Oft wisst ihr vielleicht gar nicht so genau, was euch für eine entsprechende Stelle so besonders macht. Die Plattform Joblift hat bei einer repräsentativen Umfrage dieses Jahr herausgefunden, dass es 37 Prozent der Befragten schwer fällt, ein Anschreiben zu verfassen. Bei den 18-29 Jährigen sagt das sogar über die Hälfte. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Jobportal Stepstone.

"Über der Hälfte der 18-29-Jährigen fällt es schwer, ein Anschreiben zu verfassen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Manche Unternehmen fordern übrigens schon gar keine Anschreiben mehr. Auf Fachwebsites für Unternehmen gibt es sogar die Empfehlung, in bestimmten Branchen – zum Beispiel im Handwerk – kein Anschreiben mehr zu verlangen, damit sich mehr Leute auf die Stellen bewerben. In Berufen, in denen Sprache und Kommunikation wichtig sind, macht das aber wenig Sinn.

Vollständige Online-Bewerbungen

Immer häufiger sind auch reine Online-Bewerbungen. Wenn ihr euch so bewerbt, erklärt unsere Reporterin, solltet ihr darauf achten, in der Bewerbungsmaske auch alle Felder auszufüllen. Manche Portale schmeißen eure Bewerbung nämlich sonst direkt wieder raus.

"Eure aktuellsten und relevantesten Zeugnisse solltet ihr in einem PDF zusammenfassen und hochladen – nicht alles einzeln."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Außerdem gilt: Klasse statt Masse! Ladet nicht acht Einzeldokumente hoch, so toll sie auch sein mögen, sondern am besten nur die aktuellsten und relevantesten Zeugnisse in einem PDF zusammenfassen.

Dasselbe gilt für den Lebenslauf: Reduziert euch hier am besten auf eine bis zwei, in Ausnahmefällen drei Seiten. Und klar: Wenn ihr euch als Designer*in bewerbt, macht es Sinn, nebenbei direkt mal zu zeigen, was ihr drauf habt. Ein Lebenslauf als langweilige Liste in Times New Roman ist da eher weniger angebracht. Übrigens auch in anderen Branchen.

Für die absoluten Basics einer Bewerbung bittet die Bundesarbeitsagentur übrigens eine Checkliste an.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova