In Neuseeland gibt es über 30 Millionen Kühe und Schafe. Weil die viel Methan ausstoßen, plant die Regierung eine Treibhausgas-Steuer für die Landwirtschaft - eine sogenannte "Furzsteuer".

Neuseeland wird gerne als die Molkerei der Welt bezeichnet. Das Land ist zwar nicht der größte Erzeuger von Milch, es exportiert weltweit aber am meisten Milch, Butter und Käse. In dem Land leben wesentlich mehr Nutztiere als Menschen. Es gibt 26 Millionen Schafe und zehn Millionen Rinder. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl von Neuseeland beträgt rund fünf Millionen Menschen.

Die Landwirtschaft ist für das Land wirtschaftlich betrachtet enorm wichtig. Ihr Anteil am neuseeländischen Bruttoinlandsprodukt beträgt fast 30 Prozent. Alleine die Kühe produzieren dafür mehr als 22 Millionen Tonnen Milch pro Jahr.

Hälfte der Treibhausgase kommt aus Landwirtschaft

Allerdings stoßen Kühe und Schafe bei ihrem Verdauungsprozess viel Methan aus, indem sie pupsen und vor allem rülpsen. Die Hälfte aller Treibhausgasemissionen des Landes gehen auf die Landwirtschaft zurück. Die neuseeländische Regierung möchte deswegen die Treibhausgasemissionen von Nutztieren besteuern. Die Menschen in Neuseeland nennen die Steuer auch höhnisch "Furzsteuer". Das ist allerdings irreführend, weil 90 Prozent der Methangase durch das Rülpsen der Tiere entstehen.

Die Steuer, die offiziell Steuer zur Reduzierung von Emissionen heißt, soll 2025 eingeführt werden. Sie ist Teil des neuseeländischen Klimaziels, bis 2050 klimaneutral zu sein. Wie hoch die Steuern für die Landwirt*innen ausfallen wird, soll davon abhängen, wie viele Tiere sie halten, wie viel Milch sie produzieren und auch wie viele Ausgleichsflächen der Hof zur Verfügung hat.

Bauern sollen von "Furzsteuer" profitieren

Alle Steuereinnahmen sollen der Landwirtschaft zugutekommen. Das Geld soll in Form von klimafreundlichen Technologien und Forschung wieder zu ihnen zurückfließen. Dazu gehört zum Beispiel die Erforschung eines Impfstoffs, wodurch die Tiere weniger Methan ausstoßen.

"Neuseeland will bis 2050 klimaneutral werden. Deswegen sagt die Regierung, dass die Landwirte jetzt ihren Teil dazu beitragen müssen."
Sandra Ratzow, Korrespondentin für Neuseeland

"Furzsteuer" stinkt Landwirten gewaltig

Die Landwirt*innen lehnen die Steuer allerdings weitgehend ab. Sie fühlen sich ungerecht behandelt und haben deswegen auch schon protestiert, sagt Sandra Ratzow, unsere Korrespondentin für Neuseeland.

Die Kritik aus der Landwirtschaft: Die Klimaziele Neuseelands seien nur zu erreichen, wenn sie ihre Herden deutlich verkleinern würden. Das würde wiederum kleine Kommunen, die von der Landwirtschaft abhängig sind, existenziell bedrohen. In der Folge würde die Milch in anderen Ländern produziert, die wiederum weniger effizient und nachhaltig arbeiten als Neuseeland. Das wäre also nicht im Sinne des Klimaschutzes, so die Bauern.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Sandra Ratzow, Korrespondentin für Neuseeland