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Um unsere Gefühle auszudrücken, verwenden viele von uns Begriffe aus der Psychotherapie – auch wenn wir keine Diagnose haben. In dieser Ab21 besprechen wir, wann und warum das problematisch ist und wie wir es besser machen können.

"Ich habe das Gefühl, dass es mehr wird. Die meisten sind sich gar nicht wirklich bewusst, dass sie das verwenden."
Chris vom Instagram- und TikTok-Kanal "emote" über Therapie-Sprech im Alltag

Wir sagen: "Wir sind voll depri" und meinen: "Uns geht es heute nicht gut", wir sprechen davon, dass "uns ein Erlebnis triggert" und meinen, dass es uns aufwühlt und unsere letzte Beziehung, die war "total toxisch". Immer häufiger verwenden viele von uns unbedacht Begriffe aus der Psychotherapie im Alltag.

Dass einige von uns oftmals mit Diagnosen und Begriffen leichtfertig umgehen, ist auch die Beobachtung von Chris. Er betreibt seit einigen Jahren bei Instagram und TikTok emotionale Jugendhilfe, wie er es nennt. Das macht er nicht etwa als Profi, sondern als Autodidakt und selbst Betroffener von Depression und sozialen Phobien. Im Podcast erklärt er, warum wir Therapiesprech vermeiden sollten.

Christopher Burmeister
© Kai Zwirnlein
Chris ärgert sich, wenn Diagnosen leichtfertig verwendet werden.

Sprache ändert den Umgang mit psychischen Krankheiten

Für die Psychotherapeutin Rammiya Gottschalk hat dieser Sprachwandel zwei Seiten. "Auf der einen Seite ist es kritisch zu sehen, wenn wir Symptome nutzen, die eigentlich für die Diagnosestellung von psychischen Erkrankungen da sind. Auf der anderen Seite ist es auch gut, dass es so mehr in den Alltag kommt", erklärt sie. Denn so würden psychische Erkrankungen enttabuisiert werden. Dennoch, so ihr Plädoyer, sollten wir die Begriffe richtig verwenden – wie uns das gelingt, erklärt Rammiya Gottschalk im Podcast.

Rammiya Gottschalk
© Rammiya Gottschalk
Rammiya Gottschalk ist Psychotherapeutin und ist auf TikTok als @fraupsychologin unterwegs.

Zahlen zu mentaler Gesundheit:

  • Laut einer Auswertung unter berufstätigen DAK-Mitgliedern waren psychische Erkrankungen im Jahr 2019 für 20 Prozent der gesamten Arbeitsunfähigkeitstage bei Frauen verantwortlich. Sie machten damit den größten Anteil aus. Bei Männern waren sie der Grund für 14,2 Prozent aller Krankschreibungen.
  • Depressionen gehören der Deutschen Depressionshilfe zufolge zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen in Deutschland. Insgesamt sind rund 8,2 Prozent der erwachsenen Menschen im Laufe eines Jahres an einer depressiven Störung erkrankt. Statistisch gesehen ist jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe seines Lebens von einer Depression betroffen.
  • Der Bedarf nach psychologischer Unterstützung nimmt zu. Während der Corona-Pandemie ist die Anzahl der Anrufe bei der Telefonseelsorge um 20 Prozent gestiegen.

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Lasst euch helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen euch im Moment sehr? Ihr habt das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn ihr euch im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen könnt oder möchtet, findet ihr hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.
  • Hier findet ihr eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.