Das Hilfspaket für Griechenland ist durch. Doch Premier Alexis Tsipras wirft hin. Alles nur Taktik? Tsipras ist sehr populär bei den Griechen - noch. Das will er nutzen.

Gestern Abend (20. August) hat Alexis Tsipras seinen Rücktritt erklärt. Viele hatten damit gerechnet. Aber so schnell, war doch überraschend, sagt unser Griechenland-Korrespondent Thomas Bormann. Tsipras Partei Syriza wollte in den vergangenen Wochen nicht immer wie er. "Die Spaltung von Syriza ist endgültig", sagt Thomas. Der linke Flügel der Partei entscheidet jetzt, ob er eine neue Partei gründen will. Doch die Mehrheit steht hinter Tsipras und setzt auf die Neuwahlen.

"Auch viele Griechen stehen hinter dem Kurs von Tsipras. Sie kreiden ihm nicht an, dass er all die Wahlversprechen gebrochen hat und jetzt die Sparpolitik durchsetzt."
Unser Griechenland-Korrespondent Thomas Bormann

Die Neuwahlen könnten schon in den nächsten drei bis vier Wochen stattfinden. Das Datum für die Abstimmung könnte der 13. oder 20. September sein. In Griechenland stellt der Parteichef persönlich die Kandidatenlisten für die Wahlen zusammen: Tsipras wird dann wohl nur Parteikollegen auf die Liste setzen, die er mag.

Die Aussichten, die Wahl zu gewinnen sind gut für Tsipras. Er reitet auf einer Welle der Popularität, sagt Thomas. Die Mehrheit der Griechen findet, dass Tsipras mit den Kreditgeberländern hart verhandelt und viel für das Land rausgeholt hat. Die Meisten akzeptieren deshalb die Neuwahlen und hoffen auf eine stabile Mehrheit.

"Tsipras weiß, dass er sehr populär ist. Das könnte sich ändern, wenn er im Herbst Sparmaßnahmen durchsetzen muss."
Unser Griechenland-Korrespondent Thomas Bormann

Tsipras will auch jetzt Neuwahlen, weil er sehr populär ist. Noch. Im Herbst stehen weitere Sparmaßnahmen in Griechenland an: Steuererhöhungen und die Privatisierung staatlicher Unternehmen. Tsipras Rechnung könnte aufgehen, sagt Thomas. Tsipras will sich die Mehrheit sichern solange die Griechen ihn noch mögen.