Die Zahl der Menschen, die angibt Nachrichten zu vermeiden, nimmt zu. Das hat das Reuters Institute ermittelt – eine Lösung ist das nicht, finden unser Reporter und die Medienpsychologin Maren Urner.

Rund 29 Prozent der Menschen in Deutschland haben 2022 angegeben, gelegentlich oder häufig Nachrichten zu meiden. 2017 waren es noch 24 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt einen weltweiten Trend wieder. Das hat das britische Reuters Institute ermittelt. Es gehört zur Universität von Oxford und veröffentlicht seit 2013 jährlich den Digital News Report. Damit wird ausschließlich die Nutzung digitaler Inhalte und die Popularität von Publishern und Plattformen in diesem Bereich untersucht.

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Insgesamt 43 Prozent der Befragten weltweit sind konkret der Informationen zu Covid-19 und zum politischen Geschehen überdrüssig. Die Daten sind vor dem russischen Angriff auf die Ukraine erhoben worden.

Abwehrreflex auf Nachrichten

36 Prozent von ihnen fühlen, dass Nachrichten sich schlecht auf ihre Stimmung auswirken und vermeiden die Nachrichten aus diesem Grund. Die Neurowissenschaftlerin und Medienpsychologin Maren Urner erklärt, dass Nachrichten einen Mechanismus in Gang bringen können, der eigentlich für die Gefahrenabwehr gedacht ist. Sie nennt das die drei F: fight, flight or freeze – kämpfen, fliehen oder erstarren.

"Fight, flight oder freeze. Kämpfen, flüchten oder einfrieren. Das passiert auch durch negative Nachrichten. Wenn wir das Gefühl haben, das ist uns zu viel, flüchten wir."
Maren Urner, Medienpsychologin, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Berlin

Vernünftig sei diese Flucht vor Nachrichten allerdings deswegen nicht, weil gesellschaftliche Debatten auf eine informierte Öffentlichkeit angewiesen seien.

"Wenn wir davon ausgehen, dass wir in einer liberalen Demokratie leben möchten, brauchen wir Menschen, die sich informieren."
Maren Urner, Medienpsychologin, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Berlin

Der Fokus der Nachrichten liege allerdings zu häufig bei Sorgen, Ungewissheit und Befürchtungen, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt. Nachrichten sollten deswegen nicht nur das Schlechte transportieren, sondern auch Perspektiven aufzeigen, so Maren Urner.

Konstruktiver Journalismus

Eine Sparte im Journalismus widmet sich diesem Bereich bereits, der sogenannte Konstruktive Journalismus. Als Ausgleich für zu viel Negativität mehr Katzenvideos zu zeigen, sei damit nicht gemeint. Es gehe eher darum Lösungsoptionen zu diskutieren und abzuwägen.

"Konstruktiv bedeutet immer zu fragen: Was jetzt? Wie wollen wir weitermachen, wie kann es weitergehen?"
Maren Urner, Medienpsychologin, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Berlin