Egal ob Straßenlärm oder Großraumbüro: Der Geräuschpegel unseres Alltags stresst. Wie viel Lärm wir täglich ausgesetzt sind, können wir mit einer App messen, die außerdem Forschern wichtige Daten liefert. 

Wenn wir mal überlegen, was wir bis 10 Uhr schon an Lärmpegel hinter uns haben, dann ist das schon enorm. Viele haben um diese Uhrzeit schon Straßenbahnen und hupende Autos im Berufsverkehr gehört - auf der Arbeit sitzen wir im Großraumbüro, zusammen mit vielen Kollegen, Telefonen, Druckern und draußen der Presslufthammer der Großbaustelle. Das stresst.  

"Die Geräusche müssen nicht laut sein, aber sie lenken uns ständig ab. Dadurch wird unser Gehirn aktiviert, was nicht unbedingt schädlich sein muss, uns aber behindert."
Lärmforscher Rainer Guski über Alltagslärm

Mit der App NoiseCapture können wir jetzt selber messen, wie hoch der Lärmpegel um uns herum ist. Sie ist ein sogenanntes Citizen Science Project einer französischen Forschergruppe. Und die sind uns besonders dankbar, wenn wir NoiseCapture benutzen, denn indem wir Messdaten liefern, wird überhaupt klar, wo besonders laute Orte in unseren Städten sind.

Lärmmessung mit dem Smartphone in der Hand

Idealerweise drückt man morgens auf dem Weg zur Arbeit den Record-Knopf der App und geht einfach los. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Kevin Frisch hat in Köln ein bisschen Strecke gemacht. Ergebnis: Am Kölner Hauptbahnhof 73 Dezibel, ein vorbeifahrender Bus 80 Dezibel, ein Lkw schafft sogar 100 Dezibel. Wenn man die App dann stoppt, muss noch angegeben werden, wie der Lärm empfunden wurde. 

"Damit die Daten verwertbar sind, ist es am besten, die Smartphones in die Hand zu nehmen und nicht in eine Tasche zu stecken. Am allerbesten wurden sie vorher kalibriert."
Gewndall Petit vom Citizen Science Project NoiseCapture

Wer sich für die Daten interessiert: Die lassen sich auf der Seite noise-planet.org umsonst abrufen. Lärmforscher wie Rainer Guski hoffen natürlich auf möglichst viele Daten - unter anderem können sie von Städten für Infrastrukturprojekte genutzt werden - er schätzt aber auch den Nebeneffekt, dass möglichst vielen Menschen bewusst wird, von wie viel Lärm wir eigentlich umgeben sind.