Heute vor 70 Jahren begann der Koreakrieg. Trotz einer kurzzeitigen Wiederannäherung ist das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea erneut an einem Tiefpunkt angelangt. Erst letzte Woche hat Nordkorea das Verbindungsbüro mit Südkorea in der demilitarisierten Zone gesprengt.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren entstand auf der koreanischen Halbinsel eine neue Grenze. Dort war der Norden von der Sowjetunion, der Süden von den USA besetzt. Der 38. Breitengrad markierte die Demarkationslinie.

Am 25. Juni 1950, also vor 70 Jahren, wurde sie von nordkoreanischen Truppen überschritten. Damit begann der Koreakrieg, der drei Jahre später mit einem Waffenstillstand endete. Bis heute ist der Konflikt offiziell nicht beigelegt. Es gilt sozusagen nach wie vor der Waffenstillstand.

Ende des Dialogs – oder doch nicht?

Die Sprengung des gemeinsamen Verbindungsbüros in der demilitarisierten Zone (unser Bild oben zeigt diese Zone) sei das Ende des Dialogs mit dem Süden, hieß es aus Nordkorea. Gleichzeitig wurden militärische Aktionen angekündigt. Diese wurden jetzt aber offenbar doch erst mal wieder ausgesetzt.

Darüber, was Nordkorea mit diesem Hin und Her bewirken möchte, rätseln selbst die Experten, sagt Kathrin Erdmann, ARD-Korrespondentin für Korea. Es sei nämlich tatsächlich damit gerechnet worden, dass es eine weitere Eskalation gibt. Darauf habe ja alles hingedeutet.

"Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen und vielleicht auch von heimischen Problemen abzulenken."
Kathrin Erdmann, ARD-Korrespondentin für Korea

Ziel Nordkoreas sei es, Aufmerksamkeit zu bekommen und abzulenken von eigenen Problemen, sagt Kathrin Erdmann. Etwa von der schlechten wirtschaftlichen Lage im Land (für die der Süden verantwortlich gemacht wird) oder vielleicht auch vom Coronavirus, das es in Nordkorea offiziell gar nicht gibt.

Die Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten hatten sich seit dem Scheitern eines Gipfeltreffens zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump im Februar vergangenen Jahres deutlich verschärft. Seither liegen die Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über einen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms auf Eis.

25. Juni: Im Norden wichtiger als im Süden

Der Jahrestag des Kriegsbeginns habe im Norden eine größere Bedeutung als im Süden, so die Korrespondentin. Üblicherweise werde die Geschichte dort so erzählt, dass Nordkorea vom Süden angegriffen wurde und durch die Verteidigung erfolgreich die Unabhängigkeit bewahrt habe.

Im Süden sei der 25. Juni eher weniger wichtig – das sehe man auch daran, dass die Medien relativ wenig darüber berichtet hätten. Heute Abend werde es aber eine Zeremonie mit Präsident Moon Jae-in geben, bei der 147 im Krieg gefallene Soldaten geehrt würden. Außerdem habe ein Veteranentreffen stattgefunden, es gebe Ausstellungen und eine Friedenstaube sei losgeschickt worden. Noch prominenter begangen - bzw. dann auch ausgiebiger gefeiert - werde aber eher das Kriegsende, also der Waffenstillstand.

Friedliche Koexistenz statt Wiedervereinigung?

Die Hälfte der Südkoreaner sagt, eine Wiedervereinigung beider Landesteile sei gar nicht nötig, wenn beide Staaten friedlich nebeneinander existieren können. Das hat eine aktuelle Umfrage des Korea-Instituts für Wiedervereinigung ergeben. Seit 2016 würden in Südkorea immer mehr Menschen so denken, sagt Kathrin Erdmann.

"Nach einer aktuellen Umfrage sagt die Hälfte der Südkoreaner, dass es keine Wiedervereinigung braucht, wenn beide Staaten friedlich nebeneinander existieren können."
Kathrin Erdmann, ARD-Korrespondentin für Korea