Politiker kritisieren die ARD, keinen Brennpunkt zum Notre-Dame-Brand gebracht zu haben. Viele konzentrieren ihre Erwartungen auf das Fernsehprogramm. Ist das zu Zeiten des Netzes noch angebracht – oder gerade deswegen?

"Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk schläft", kritisierte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch am Montagabend über Twitter, dass im "Ersten" Programm der ARD keine Sondersendung zum Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame zu sehen war. Auch der ehemalige ARD-Hauptstadtstudio-Leiter Ulrich Deppendorf konnte es nur "schwer nachvollziehen", dass kurzfristig kein Brennpunkt ins Programm genommen wurde. Die ehemalige WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich schlug in die gleiche Kerbe: "BBC, CNN, Russia Today und Al Jazeera" würden es doch auch schaffen.

Es folgte in dieser Woche eine leidenschaftliche Debatte darüber, ob die ARD im Hauptfernsehprogramm auch außerhalb der Tagesschau und den Tagesthemen Live-Bilder vom Brand hätte zeigen sollen. Die Entscheider in der ARD hätten gerne mehr gezeigt, sahen sich an dem Abend aber aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage, auch wenn sie direkt in der Tagesschau berichten konnten.

"Man hätte nach 20 Uhr über das, was wir im Bericht hatten, nichts Hintergründiges mehr sagen können. Wir hätten eine brennende Kathedrale zeigen und spekulieren können, wie geht es aus. Das ist kein Mehrwert."
Volker Herres, Programmdirekter im Ersten

Tatsächlich hat die Tagesschau auf ihren digitalen Kanälen umfassend informiert. Es gibt aber auch Lob für die Entscheidung der ARD: Durch eine Live-Berichterstattung hätte man zwar die Betroffenheit vieler Zuschauerinnen und Zuschauer und den Drang befriedigt, live dabei zu sein. Aber einen wirklichen Mehrwert hätte es nicht gegeben.

Was sagt die Debatte über das Medienverständnis der Deutschen aus? Warum gibt es also noch die Erwartungshaltung, auch das Hauptfernsehprogramm müsse live dabei sein? Ist das anachronistisch oder richtig, weil in sozialen Medien wieder viele Falschinformationen wimmelten? Darüber diskutieren wir mit dem Medienjournalisten Daniel Bouhs.

Außerdem ist die Journalistin Christina Quast zu Gast. Sie betreibt die Webseite journalisten-tools.de, auf der sich Medienmacher über digitale Helferlein für eine bessere Berichterstattung informieren. Sie bringt Tipps und Tricks mit, wie Podcaster noch mehr aus ihren Audio-Produktionen herausholen können.

Tipps und Tricks für Podcaster

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