Mit einer Ampel-Kennzeichnung, dem Nutri-Score, sollen Verbraucher auf einen Blick sehen können, welche Lebensmittel gesund sind. Es gibt aber auch Kritik an dieser Art der Kennzeichnung.

Bei Pizza und Chips wissen wir schon: Lecker, aber nicht gesund. Es gibt aber auch Lebensmittel, bei denen wir nicht vermuten würden, dass sie ungesund sein können wie eingelegte Gürkchen, Weißkrautsalat, Fruchtjoghurt, Müsli und Käse.

Sobald wird fertig Verpacktes aus dem Supermarkt kaufen, müssen wir davon ausgehen, dass viel Zucker und viel Salz enthalten sein kann - und möglicherweise auch noch viele weitere Stoffe, die unserer Gesundheit auf Dauer schaden können.

"Ein gewisser Druck entsteht natürlich auch, wenn andere Unternehmen den Nutri-Score nutzen und das eigene Produkt hat eben den grünen Score und das andere hat ihn nicht."
Luise Molling, Ernährungsexpertin bei Foodwatch

Vor einem halben Jahr wurde der Nutri-Score auf freiwilliger Basis in Deutschland eingeführt. Ziel ist, dass wir beim Einkauf im Supermarkt leichter erkennen, was gesund ist und was nicht:

  • Dunkelgrün heißt eher gesund
  • Rot bedeutet ungesund

Der Nutri-Score hängt unter anderem davon ab, wie viel Zucker, Salz, Ballaststoffe, Obst und Gemüse in einem Produkt enthalten sind.

Hersteller überarbeiten Rezepte

Den Nutri-Score gibt es in Frankreich schon länger und hat sich dort einigermaßen bewährt. Laut Ernährungsexpertin Luise Molling von Foodwatch ist es so, dass fast alle großen Handelsketten dort ihre Rezepte überarbeitet haben.

Foodwatch hat das zum Teil auch schon in Deutschland festgestellt, dass beispielsweise Nestlé sein Rezepturen überarbeitet hat. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht davon aus, dass der Nutri-Score Anreize für Hersteller biete, ihre Produkte gesünder zu machen.

Rund die Hälfte aller Lebensmittel-Marken ist in Frankreich schon mit dem Nutri-Score gekennzeichnet. In Deutschland sind es bisher nur knapp 160 Unternehmen mit gut 300 Marken, die mitmachen. Die Ernährungsexpertin geht davon aus, dass in den kommenden Jahren in Deutschland ähnlich viele Produkte gekennzeichneten sein werden.

"Die Hersteller gehen dann genauso weit, dass sie in den besseren Nutri-Score rutschen. Ein ganz logischer Effekt, dass man jetzt nicht noch mehr macht, als man tun muss, um eine bessere Bewertung zu kriegen."
Luise Molling, Ernährungsexpertin bei Foodwatch

Zum einen entstehe natürlich ein gewisser Druck bei den Herstellern, wenn ein Konkurrenzprodukt einen guten Nutri-Score habe, das eigene aber nicht. Aber andererseits würden die Lebensmittelproduzent ihre Produkte nur soweit verbessern wie nötig, um einen besseren Nutri-Score zu erlangen, sagt Luise Molling.

Manche Hersteller lehnten die Kennzeichnung wohl auch ab, weil sie diese auf alle ihre Produkte anwenden müssten.

Unternehmen, die hauptsächlich Süßigkeiten und gezuckerte Softdrinks produzieren, werden dem Nutri-Score auf Verpackungen nicht freiwillig zustimmen, glaubt die Ernährungsexpertin.

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft: Kennzeichnung sei irreführend

Die Bio-Branche kritisiert, dass der Nutri-Score Aspekte wie nachhaltige Produktion nicht bewerte. Außerdem funktionieren Vergleiche nur innerhalb einer Produktgruppe, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler einige der Kritikpunkte zusammen.

Das heißt, wir können per Nutri-Score feststellen, welche Tiefkühlpizza ernährungstechnisch besser sei, weil sie weniger Fett und Salz enthalte. Aber auch hier könne die Kennzeichnung irreführend sein, denn selbst eine Pizza mit dunkelgrünem Score sollten wir natürlich nicht täglich essen.

Bio-Produkte kommen nicht unbedingt besser weg

Insgesamt gilt, dass Bio-Produkte nicht unbedingt bessere Scores erhalten, weil sie auch viel Zucker enthalten können und weil auch Vollkornbrot beispielsweise nicht unbedingt besser gewertet wird als Weißbrot.

Inzwischen gibt es ein wissenschaftliches Gremium, das die Berechnung des Nutri-Scores für alle europäischen Länder, die ihn nutzen, weiterentwickeln soll.

Ob dann auch auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls kommt Kritik aus der Bio-Branche, dass Aspekte wie Nachhaltigkeit und Ökologie keine Rolle spielten.

"Nur Gesundheit reicht nicht. Man kann sehr gesund essen und trotzdem ist der Planet am Ende kaputt. Aspekte wie Nachhaltigkeit, Ökologie spielen dabei keine Rolle."
Friedhelm von Mering, Referent für Politik beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft