Wir alle lügen öfter mal – besonders, um andere nicht zu verletzen. Was passiert aber, wenn Menschen sich bereichern indem sie lügen? Tom wurde jahrelang von seinem Partner Daniel manipuliert und betrogen, berichtet Journalist Christian Erll, der sich mit Toms Geschichte befasst hat. Was jemanden dazu bringt, so gemein zu sein und wie wir uns selbst davor schützen, erklärt Kriminalpsychologin Lydia Benecke.

Darüber, wie wir die Klamotten unserer Freunde oder unseres Partners finden, haben viele von uns schon gelogen. Diese Alltagslügen sind im positiven Sinn wichtig, um andere Menschen zu unterstützen oder nicht traurig zu machen. Wenn jemand aber als Betrüger rechtlich verurteilt wird, dann handelt es sich um eine hochmanipulative Person, sagt Kriminalpsychologin Lydia Benecke. Diese Menschen bereichern sich entweder monetär an anderen oder bauen sich Konstrukte, um in partnerschaftlichen Beziehungen zu betrügen.

"Grundmotivation ist es, ein Ziel zu erreichen, aber nicht durch Arbeit, sondern durch Abkürzung. Entweder weil sie nicht daran glauben, das alleine schaffen zu können oder weil sie sich Zeit einsparen wollen."
Kriminalpsychologin Lydia Benecke über die Motivation hochmanipulativer Menschen

Menschen, die hochmanipulativ agieren, gehen schon mit einer Siegesgewissheit an die Manipulation heran und merken, dass es klappt und sie damit durchkommen. Dadurch werden sie dann immer selbstbewusster, was das Manipulieren angeht, erläutert Lydia Benecke. So geschehen ist es bei Tom, der seinen Ex-Freund Daniel auf einer Party kennenlernte und mehrere Jahre mit ihm eine Beziehung hatte.

Eine Frau hat die Arme verschränkt und lehnt sich auf eine Brüstung.
© imago images | STAR-MEDIA
Kriminalpsychologin Lydia Benecke

Ausmaß krankhafter Lügen

Kaum vorstellbar sind die Lügen, die Daniel seinem Freund Tom erzählte. Von Anfang an sagt Daniel, er würde eine Kanzlei leiten und bald Richter am Europäischen Gerichtshof werden. Ein paar kleine Fälle und Schreiben, die Daniel für seinen Freund Tom und andere übernimmt, stützen diese Aussage. Wahr ist das aber nicht. Als Daniel nach drei Jahren Beziehung spontan nach sehr viel Geld fragt, weiß Tom das aber noch nicht.

"Ich bin am nächsten Tag zur Bank, hab 15.000 Euro abgehoben und die ihm abends gegeben und war total stolz, einem so erfolgreichen Richter und Rechtsanwalt unter die Arme greifen zu können."
Tom über den Moment als sein Freund ihn nach Geld gefragt hat

Seinen erfolgreichen liebsten Freunden und besonders innerhalb der Beziehung leiht man Geld. Das kommt daher, dass wir einer Person, die uns sympathisch ist, ein gewisses Grundvertrauen gegenüber haben, ordnet Lydia Benecke ein.

Dabei hören die Lügen und der Betrug aber leider im Fall von Tom und Daniel noch nicht auf. Tom muss ebenfalls herausfinden, dass Daniel HIV-positiv ist, es ihm aber nicht gesagt hat. Außerdem ist er bei einer Dating-App aktiv, bei der es um Sex geht.

Schutz vor Betrügern

Aber wie ist so krasses Lügen überhaupt möglich, ohne aufzufliegen und wie können wir uns am besten selbst beschützen?

Bei Tom und Daniel war jahrelanges Verwirren und das Einreden falscher Tatsachen der Schlüssel, um Tom zu manipulieren. Tatsächlich leiden die Täter*innen aber an einer kognitiven Verzerrung. Das bedeutet, in der Regel haben sie eine Erklärung für sich, durch die sie das Recht haben zu betrügen. Entweder sind die Umstände daran schuld, dass sie nicht anders konnten oder die Personen, denen etwas von ihnen angetan wird, sind selbst schuld, dass sie darauf hereingefallen sind.

"Sind sehr gut darin sehr selbstsicher zu sein und sehr entspannt zu wirken beim Lügen."
Kriminalpsychologin Lydia Benecke über die Eigenschaften hochmanipulativer Personen

Hochmanipulative Betrüger*innen sind gut darin, selbstbewusst zu wirken und anderen entspannt ins Gesicht zu lügen. Daher fällt es auch so schwer, sie zu enttarnen. Worauf können wir achten, ohne direkt jeder Person misstrauisch gegenüber zu sein? Wenn zum Beispiel bei Menschen eine Notsituation kurzfristig eintritt, in der sie uns nach viel Geld fragen, sollten wir das genau prüfen. Außerdem sollten wir ebenfalls einen genauen Blick auf Partneranwärter*innen haben, wenn sie uns mit Liebe und Geschenken überhäufen, rät Kriminalpsychologin Lydia Benecke. "Love Bombing" nennt man das. Diese Strategie nutzen manipulative Menschen häufig, um uns einzuwickeln.

Daniel musste wegen seiner kriminellen Lügen inzwischen ins Gefängnis und Tom hat dank therapeutischer Hilfe auch geschafft, mit dieser schlimmen Situation umzugehen.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Christian Erll erzählt, wie sein Bekannter Tom jahrelang betrogen wurde
  • Kriminalpsychologin Lydia Benecke über Strategien von Hochstaplern
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gast:  Christian Erll
  • Expertin:  Lydia Benecke, Kriminalpsychologin