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Eine App, die automatisch vor Kontakt mit Infizierten warnt. So ließe sich die Ausbreitung von Sars-Cov-2 besonders effizient verlangsamen. Wie die App aussehen soll, ist allerdings noch ziemlich unklar.

Die App soll über Bluetooth registrieren, wer mit wem in näherem Kontakt war. Also zum Beispiel näher als 1,5 Meter. Wenn einer der freiwilligen Nutzer in der App angibt, positiv auf Coronavirus getestet worden zu sein, bekommen die Nutzer, die mit ihm oder ihr Kontakt hatten, das in der App angezeigt – verbunden mit der Empfehlung, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben oder zumindest sehr vorsichtig zu sein.

App-gestützte Kontaktverfolgung

Wann eine solche App kommen wird, ist noch unklar. In Deutschland könnte das möglicherweise schon in ein paar Tagen sein, vielleicht auch in zwei, drei Wochen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

Auch, wer die App am Ende anbieten wird und wie sie aussieht, steht noch nicht fest. Mehrere Unternehmen und wissenschaftliche Institute arbeiten weltweit an einer Art Grundgerüst, auf dem Anti-Corona-Apps dann aufbauen könnten. Auch Google und Apple haben ein solches Grundgerüst angekündigt. Die beiden Konzerne planen zusammenzuarbeiten, damit Android- und Apple-Geräte miteinander kommunizieren können.

Apps, die es schon gibt

Bereits seit Mitte März 2020 wertet das Robert Koch-Institut Handydaten der Telekom aus. Dabei geht es aber nicht um anonymisierte Kontaktverfolgung, sondern darum, die Ausbreitung des Virus besser nachvollziehbar zu machen und zu sehen, ob bestimmte politische Maßnahmen wie etwa Ausgangsbeschränkungen Wirkung zeigen. Auf EU-Ebene wird Ähnliches gemacht: Hier haben sich Vodafone, Deutsche Telekom, Orange und sechs weitere Telekommunikationsunternehmen bereiterklärt, anonymisierte Mobilfunkdaten zu teilen.

Auch die brandneue Datenspende-App des Robert Koch-Instituts will vor allem dabei helfen, die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen überprüfbar zu machen. Auch sie sammelt noch keine Bewegungsdaten, sondern Daten aus Fitnesstrackern und Smartwatches.

Contact Tracing und Datenschutz

Ein ganz wichtiges Thema ist der Datenschutz der neuen Anti-Corona-Apps. Der Chaos Computer Club bezeichnet das Contact Tracing als Risikotechnologie. Mögliche Apps müssten unbedingt anonym funktionieren. Es dürfe unter keinen Umständen eine Möglichkeit geben, über die App herausfinden zu können, wer genau mit wem Kontakt hatte.

Ein weiterer Einwand lautet: Die Bluetooth-Technik eigne sich nicht wirklich für diese App, weil sie zum Beispiel nicht erkennen kann, ob sich zwischen zwei Nutzern, die nur einen Meter entfernt voneinander stehen, eine Wand befindet.

Schwierige Entscheidung

Die Entscheidung der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker, wann welche App eingeführt wird, ist äußerst schwierig. Sie beruht zurzeit auf mehreren Hoffnungen, sagt unser Netzreporter.

  • dass technisch alles klappt.
  • dass die Infizierten zuverlässig angeben, dass sie positiv getestet wurden.
  • dass genug Menschen mitmachen.
  • dass möglichst viele Menschen auch dieselbe App nutzen.

Obwohl es also noch viele ungeklärte Punkte gibt, existieren bereits konkrete – und grundsätzlich verschiedene – Forderungen: Der baden-württembergische Datenschutzbeauftrage Stefan Brink hält freiwillige Tracing-Apps weder technisch, noch rechtlich oder sozial für erfolgsversprechend und empfiehlt, sie nicht zu nutzen.

Der Vorsitzende der Jungen Union Tilman Kuban ist dagegen vom Erfolg schon jetzt absolut überzeugt. Er fordert, die App solle automatisch auf jedem Smartphone in Deutschland installiert werden. Wer sie nicht haben will, könne ja widersprechen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hält eine solche Widerspruchslösung dagegen für falsch. Die App müsse komplett freiwillig sein.